Altkanzler in Bronze und Pastell

Ausstellung: - Die Ironie ist fast perfekt: Bald wird er vielleicht der einzige deutsche Politiker sein, der sich in der Öffentlichkeit noch zum Rauchen bekennt, gebannt in einer Pose aus Bronze als eines seiner Markenzeichen. Helmut Schmidt, Sozialdemokrat, Alt-Bundeskanzler, Mitherausgeber der "Zeit", seitengescheitelt, entspannt zurückgelehnt, rauchend: So fotografierte ihn auch der Berliner Künstler Rainer Fetting (geboren 1949), als er ihn im Herbst 2005 in der Redaktion besuchte.

Ein halbes Jahr später kam die erhoffte Anfrage: Die Direktbank ING-DiBA trat an den Künstler heran, der schon die riesige Willy- Brandt-Statue in der Berliner SPD-Zentrale sowie die neue Trophäe des Henri Nannen Preises geschaffen hatte. Ob er bereit wäre, zum zehnjährigen Jubiläum des Helmut-Schmidt-Journalistenpreises eine Plastik des ehemaligen Kanzlers zu fertigen? Der Künstler sagte gerne zu: "Schmidt war für mich immer eine sympathische Figur."

Ein ganzes Jahr hat Fetting Helmut Schmidt gewidmet, in Skulptur, Malerei, Zeichnung. Das Ergebnis ist nun - als eine Kooperation mit der Galerie Karl Pfefferle - in der Münchner Rathausgalerie zu sehen. Durch zwei hochgeschlossene Wände hat die sich in einen erhabenen Lichthof verwandelt, an dessen Stirnseite das mächtige blaue "Helmut Schmidt-Triptychon" fast schon wie ein Altarbild wirkt.

In sieben grob modellierten Bronze-Büsten zeigt Fetting Schmidt, wie er ihn kennengelernt hat: Antikisierend einarmig (der andere Arm hing über die Stuhllehne), die dagegen massige linke Hand hält elegant eine Zigarette in die Höhe. Auch ohne Stuhl lehnt er sich weit zurück und wirkt dabei mal despotisch waltend, mal souverän mit visionärem Blick, mal fast verträumt. Auch die zarten Pastellzeichnungen lassen den Altkanzler in ungewöhnlicher Sanftheit erscheinen. Ein Bilderzyklus aus zwölf verschiedenfarbigen Porträt-Radierungen reiht Schmidt schließlich ein in Andy Warhols Siebdruck-Serien berühmter Persönlichkeiten.

Der Kontrast zu den klar ausgegrenzten "Seitenschiffen" der Galerie ist enorm: Hier ist die parallele Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung untergebracht: "Willy Brandt. Ein politisches Leben. 1913-1992" in 70 Stellwand-Stationen. Die einzige Verbindung dieses hochdidaktischen Kanzler-Porträts zu den subtilen Darstellungen des Nachfolgers ist das Modell der Brandt-Statue Fettings. Deutlicher kann man den Kontrast zwischen informativ künstlicher und wahrhaftig künstlerischer Lebendigkeit kaum zeigen.

Bis 20. April, Di-So 11-19 Uhr. Info: 089/ 29 79 69. Der Katalog kostet 19,90 Euro.

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