Altmännerherzen klopfen heftig

- Kein Thema, keine Auswahl, keine Beurteilung - es herrscht die künstlerische Freiheit. In der Weihnachtsausstellung "Juryfreie" des BBK (Galerie der Künstler) hängen 184 Arbeiten von fast ebenso vielen Künstlern. Vom braven Landschaftsbild bis zum Digitalprint, von klassischen Akten bis zur großen Liga der neuberufenen abstrakten Expressionisten reicht die Palette. Skulptur erlebt, wenn schon, meist den Wandel hin zum Spartanischen. Mangelware sind die Neuen Medien. Dafür wurde die restliche Vielfalt zu thematischen Arrangements gebündelt, die konträre Sichtweisen aufzeigen.

<P>Fotografie und haptische Akzente am Anfang: Ein weißes Stapelrelief (Markus Krug) neben schwarzen Recycling-Plastikschlaufen (Traude Linhardt) verweist auf kommende Gegensätze. Es folgen Stadt- und Landbilder und natürlich das Thema Mensch. Petra Moßhammer sticht mit schriller Perspektive hervor, eine Nackte von oben, die ihre Suppe verweigert. Die Eifersucht setzt Bernhard Spitzinger technisch ansprechend um: ein kantiges Paar auf geriffelten Grund aufgesprüht, zwischen Anziehung und Abstoßung. </P><P>Die Überleitung zur Abstraktion ist das nächste Kapitel: Helga Goldhorn kreiert ihr eruptives, strahlenförmiges "Flower Bed" in schwerem Lila und Schwarz. Herbert Sahliger setzt ein leuchtend orangenes A auf Nachtblau. Inmitten der großen Abteilung der Gestischen haben es dann die Objekte leicht, sich abzuheben. Sarkastisch inszeniert Billie Klahold ein "Altmännerherz-Klopfen" zwischen Puppen und Soldaten. Das Schlachtfeld dazu liefert Hannelore Sahm - aus übergipsten Schiesser-Unterhosen und lila Kriegsspielzeug. Leichteren Humor bietet Katrin Bach, sie lässt ihre kunterbunten Schuhwesen spitzbusig in eine "Blaue Nacht" tanzen. Zum Thema Witz ist noch Friedo Niepmann zu nennen: Er testete mit einem "Bett im See" die Grenzen von Privatsphäre und Öffentlichkeit.</P><P>Schwarzer Kunstnerz, in einem der Löcher versinkt ein Betonklotz: Thomas Barnsteins Objekt ist voll von gegensätzlicher Sinnlichkeit. Flankiert von zarten Schriftbildern (Marlies Beth) und Farbfeldern wird dieser letzte Saal spannend. Mit einem Raumgeflecht, bedroht von schwarzen Flecken, beschreibt Waltraut Bücking die aktuelle Kunstlage: "konstruktiv / destruktiv". </P><P>Bis 5. Januar, Tel. 089/ 22 04 63.<BR></P>

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