Amazonen und Konsorten

München - Die Antikensammlungen am Münchner Königsplatz zeigen die Ausstellung "Starke Frauen"

Die feine Athenerin saß züchtig daheim, scheuchte ihre Sklaven herum, wirtschaftete tüchtig - aber politisch war sie ein Nichts. Weil die griechische Mythologie und in ihrer Folge die Künste eine große Begeisterung für leidenschaftliche Persönlichkeiten hatten, gab es dennoch imposante Weibsbilder in Hülle und Fülle. "Starke Frauen" heißt die Ausstellung in den Staatlichen Antikensammlungen am Königsplatz, die deren Chef, Raimund Wünsche, um diese sagenhaften Damen entwickelt hat. Zugleich lockt er damit Besucher in die Dauerschau der Vasenmalerei, die im Gegensatz zur Glyptothek mit ihren Skulpturen eher ein stilles Dasein führt.

Nachdem schon die Schau "Mythos Troja" so erfolgreich war, dürften auch die Heldinnen aus Hellas ein echter Anziehungspunkt sein. Zumal vor den heiligen Hallen eine markige Daphne von Georg Lüpertz verkündet: Hier herrschen Action - und Humor. Die starken Mythos-Frauen waren - wie die Göttinnen auch - das Gegenbild zur griechischen Hausfrau. Die Präsentation nimmt diese als Folie, um den Kontrast zu Amazonen und Konsorten herausarbeiten zu können. Ein Vasenbild zeigt eine Lyra spielende Dame in ihrem Gemach. Kleinplastiken erzählen von der kupplerischen Alten aus der Komödie oder von der Tüchtigen, die den Brotteig heftig durchknetet. Die benachbarten Mänaden - eine dreht sich in wildem Tanz, kühn Schlange und Panther haltend - mahnen allerdings, dass Frauen gefährlich werden können. Die komische Version davon ist Nereus' Tochter. Sie zückt den antiken Nudelwalker gegen Herakles, der unverschämterweise Papas Hausstand zertrümmert.

All diese Geschichten, die die Mythen, Tragödien und Komödien erzählten und die in der Malerei - nur die Vasenmalerei blieb erhalten - ebenfalls zum Thema wurden, werden in der Ausstellung knapp und gut erläutert. Denn ohne dieses Wissen könnten wir die Vasen kaum mehr "lesen". Das fällt insbesondere bei den Amazonen schwer. Ihnen ist der Schwerpunkt der Schau gewidmet. Die alten Griechen hatten für die streitbaren Weiber eine große Schwäche. Sie werden als gleichwertige Jägerinnen und Kämpferinnen dargestellt. Nur ihre weiße Haut erinnert daran, dass hier schöne Frauen zu sehen sind. Und das persische, gemusterte Gewand soll die tiefe Fremdheit signalisieren.

Künstlerisch faszinierend sind die raffinierten Schilderungen von Amazonen-Schlachten gerade auf großen Gefäßen. Die Antikensammlungen ergänzten deswegen ihre Bestände mit über 100 Leihgaben. Schlagen, Stürzen, Stoßen, Menschen, Pferde und Waffen ergeben scheinbar ungehemmten Bewegungsrausch. Aber auch der intime Augenblick wurde gewürdigt. Der Maler lässt die Zeit still stehen. So erleben wir nach Jahrtausenden den Moment mit, in dem Achill sein Schwert in die Brust der Amazonenkönigin Penthesilea stößt. Sie ist schon in die Knie gebrochen, hebt bittend den Arm, ein letzter Blick...

Aber nicht nur den waffenstarrenden Frauen huldigt die Ausstellung. Auch den Sportlerinnen wie Atalante, Dulderinnen wie Alkestis, Keuschen und Treuen wie Daphne und Penelope, Frevlerinnen wie Niobe oder Kindsmörderinnen wie Medea - allen "Extremen". Die Medea-Geschichte ist auf einer riesigen Vase sogar als "Comic" zu verfolgen - bis hin zu der tobenden Frau, die das Schwert gegen ihren Sohn zückt. Nichts soll sie mehr mit ihrem untreuen Jason verbinden. Die Vasen-Geschichten, in den Antikensammlungen von Originalskulpturen und Abgüssen - darunter drei hochberühmte, verwundete Amazonen aus dem Heiligtum von Ephesus - flankiert, werden mit Plastiken und Reliefs jenseits des Königsplatzes weitererzählt: in der Glyptothek.

Bis 2. August 2009,

Tel 089/ 59 98 88 30, Begleitbuch: 24 Euro.

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