Ameisenstraße durchs Kabarettistenhirn

- Weg ist er, der Josef Hader, und das ziemlich schnell. Zügig bringt sich das österreichische Kabarettgenie bei der Deutschlandpremiere seines neuen Programms im Münchner Schlachthof erst einmal selbst um die Ecke. Denn das "neue" Programm, mit dem Hader bereits seit einem Jahr in Österreich unterwegs ist, heißt: "Hader muss weg."

Und nicht etwa, weil in diesem windigen Krimi der frustrierte Tankwart, der gezierte Alleinunterhalter und Werner mit der Blasenschwäche boshaft beschlossen hätten, sich ihres leidigen Kopisten zu entledigen - sie sind ja zumeist seine ehrfürchtigen Fans. Nein, nach zehn Jahren "Privat"-Theater, der unermüdlichen Selbstbespiegelung des Kabarettisten von innen und von außen, schien es Hader an der Zeit zu sein, diesen symbolisch von der Bühne zu schießen.

Gerade sah man ihn noch so schön per Überwachungskamera mit seinem Techniker in der "greisligen Garderobe" herumgranteln und einen Aufstand gegen die Feigheit des österreichischen Konjunktivs proben, gerade machte er sich auf den Weg zur nächsten Tanke, um Batterien für den Mikroport zu besorgen, da begegnet er Werner mit der Blasenschwäche, lässt sich im Wagen mitnehmen, fällt in der Kurve heraus, kullert dem zum Selbstmord entschlossenen Tankwart vor die Füße und leider auch vor dessen scharfen Revolver.

Und schon wuselt eine Ameisenstraße durch das ehemalige Hader-Hirn und transportiert "7,8,9 Kabarettprogramme hinweg". Für den Schauspieler Josef Hader aber ist jetzt der Weg frei, ungestört vom politischen Kabarettisten Hader in all die Figuren seines nächtlichen Wiener-Vorstadt-Gruselkabinetts zu schlüpfen. Bis zu drei gleichzeitig spielt er in dieser Geschichte, die vor allem vom wehleidig-dreisten Werner erzählt, dessen Beziehung mit Cornelia so defekt ist wie seine Blasenfunktion. Hader spielt sich dabei die Seele aus dem Leib.

Feuert auf das österreichische Sprachgebaren unter anderem eine "Geh, herst, herst"-Salve ab, beleidigt ein bisschen die Politkabarettisten einschließlich sich selbst und fleddert die eigene Kabarettisten-Leiche. Gnadenlos variiert, karikiert er einmal aufgenommene Motive bis zum bitteren Ende und übertrumpft die eine Pointe mit der anderen. Anschließend bedankt er sich artig beim Publikum, dass es ihn begleitet hat auf diesem Ausflug in die Nacht, der das reinste Vergnügen ist.

17.-20. und 24.-27. Januar sowie 31. Januar bis 3. Februar, Tel. 089/ 76 54 48; im März und April im Lustspielhaus, Tel. 089/ 34 49 74.

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