Im Amsterdamer Versteck

- In Sowjetzeiten kam es zu lediglich einer Aufführung von Grigori Frids "Tagebuch der Anne Frank" (Woronesch, 1980). In Deutschland hat sich das Werk seit der Nürnberger Erstaufführung 1996 selbst an kleinen Theatern wie Gießen als "Studioproduktion" außerordentlich bewährt. Das gilt auch für die aktuelle Kölner Inszenierung, welche sich mit dem Orchesterproberaum zudem eine neue Spielstätte erobert.

<P>Das Thema Jugend im "Dritten Reich", derzeit durch den Sophie-Scholl-Film in der Diskussion, war dank Udo Zimmermanns "Weiße Rose" eine Zeit lang auch für die Oper aktuell. Frids "Anne Frank" hat diesen Faden wieder aufgenommen. Die Kölner Aufführung besitzt auch dank ihrer Reduktion auf das Klavier als Orchester ersetzendes Begleitinstrument (souverän: Theresia Renelt) keine interpretatorischen Koordinationsprobleme. Die Australierin Samantha Rubenhold dürfte sich mit ihrer sängerisch intensiven, darstellerisch mutigen Leistung für eine Übernahme aus dem Opernstudio ins Hausensemble empfohlen haben. In einem von Katja Gehrke realistisch andeutendem Interieur (Anne Franks Amsterdamer Versteck) reichert Regisseur Patric Seibert das eher introvertiert monologische Spiel mit zwei stummen Personen und reduktiver, aber kluger, intensiver Bewegungsführung bühnenwirksam an. Trotz einer CD-Aufnahme des Werkes möchte man glauben, dass die teils lautmalerische, teils trockene Musik szenischer Unterstützung bedarf.<BR></P><P>Das Theater Regensburg bringt dieses Stück am 13. Mai heraus.</P><P><BR> </P>

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