Amüsante Alltagsmonster

- "Männer!" - ja das sind in Franz Wittenbrinks Revue sieben Kerle, allesamt zum Abgewöhnen. Lächerliche Alltagsmonster, die im Mini-Fußballstadion mit roten Plastiksitzen hocken, Dosenbier schlürfen, ihre Heldentaten besingen und ihr (Liebes-)Leid beklagen. Im Münchner Prinzregententheater amüsierte die Berliner Horrortruppe (fulminant unterstützt vom Mann am Klavier: Andrew Hannan) nicht nur mittelalterliche Damen, sondern auch die mitgebrachten Herren bestens.

<P>Von Mozarts "Don Giovanni" bis zu Heintjes "Mama" reicht das Repertoire dieses Liederabends, den Martin Woelffer und Sylvia Schmid (Choreographie) szenisch so eingerichtet haben, dass sich ein lässig-lockeres Spiel ergibt zwischen all diesen Machos und Jammerlappen, denen Gerhard Kropp das typgerechte Outfit verpasste.<BR><BR>Da behauptet der schmächtige Fußballfan mit roter Baseballkappe (Santiago Ziesmer) selbstgewiss: "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frauen." Und der Spießer (Christoph Jungmann) in Klepper-Jacke und Schlägerkappe - natürlich in schickem Beige - pflückt Hermann Löns' blaue Blume "Männertreu", ein verwegenes "Hei!" auf den Lippen. Der Glatzkopf im schwarzen Strizzi-Anzug (Erwin Windegger) turnt als "Sex-Machine" die Kumpane an, dass sie einer Herde wilder Affen gleichen und immer wieder ihren kollektiven Traum beschwören: "Eine kleine Nymphomanin", die sogar antwortet - aus der Pissoir-Muschel.<BR><BR>Herrlich komisch durchmisst die Truppe, zu der noch der übergewichtige Milchbubi mit Umhängetasche (Joe Völker), der grau gelockte Möchtegern-Casanova mit Seidenschal (Klaus Brantzen), der Stammtischler mit hängender Krawatte (Anton Rattinger) und der blasse Softie (Gerd Lukas Storzer) gehören, Männer-Höhen und -Tiefen: Solistisch, im polyphonen Chor (perfekt bei der "Giovanni"-Ouvertüre) oder als drei Tenöre, die natürlich auf italienisch um "Mama" wetteifern. Egal ob sie fetzig rocken oder sentimental schmachten, der Ton stimmt und die Situation auch.<BR><BR>Wie im Märchen werden am Schluss alle Männerträume wahr: Eine kurvenreiche Glitzer-Blondine (Annette Kienzle) mit Komtur-Tönen bittet sämtliche Westentaschen-Giovannis zu Tisch. Sie grabschen, tätscheln und streicheln, tja, "Männer sind Schweine" - arme.</P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rockavaria findet 2018 wieder in München statt – an einem ganz anderen Ort
Das Musikfestival Rockavaria findet am 9. und 10. Juni 2018 wieder in München statt. Die Veranstalter haben das Freiluftspektakel vom Olympiapark an einen ganz anderen …
Rockavaria findet 2018 wieder in München statt – an einem ganz anderen Ort
Konzertkritik: So war Anathema im Backstage
Einen abenteuerlichen Weg hat die Liverpooler Band Anathema in zweieinhalb Jahrzehnten zurückgelegt: von ruppigem Doom Metal über düsteren Alternative Rock hin zu einer …
Konzertkritik: So war Anathema im Backstage
„Die lustige Witwe“ am Gärtnerplatz: Nachkriegstonfilm 2.0
Franz Lehárs „Die lustige Witwe“ gehört zur DNA des Münchner Gärtnerplatztheaters. Das passende Stück also zur Wiedereröffnung - auch wenn der Abend recht brav ausfällt.
„Die lustige Witwe“ am Gärtnerplatz: Nachkriegstonfilm 2.0
East 17, Rednex, 2 Unlimited und mehr: Mega-90er-Event in der Olympiahalle
Das wird ein Fest für Trash- und 90er-Fans. Gleich sechs Bands, die im Umz-umz-Zeitalter für Furore gesorgt hatten, treten beim Event „Die Mega 90er live!“ in der …
East 17, Rednex, 2 Unlimited und mehr: Mega-90er-Event in der Olympiahalle

Kommentare