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Rich Robinson lud zu Interview und Plaudereien in sein Münchner Hotel.

The Magpie Salute legen „High Water I“ vor

An der Hotelbar mit Rich Robinson

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The Magpie Salute, die neue Band von Rich Robinson, hat ihr erstes Studio-Album „High Water I“ vorgelegt. Wir trafen den Ex-Black-Crowes-Gitarristen in München zum Gespräch. 

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass ein aufgeregtes Raunen durch die Rock-Reihen ging: Ex-Black-Crowes-Gitarrist und -Songwriter Rich Robinson hatte sich, gerade mal zwei Jahre nach der endgültigen Auflösung der Südstaatenrocklegenden, mit seinen ehemaligen Bandkollegen Marc Ford, Eddie Harsch und Sven Pipien zusammengetan, um eine regelrechte Supergroup auf die Beine zu stellen: The Magpie Salute. Mit einem Live-Album im Gepäck ging’s auf Tour, und auch die Münchner Fans konnten sich beim Tollwood-Festival ein Bild von den überragenden Fähigkeiten der zehn Musiker machen. Rich Robinson versprach, dem hauptsächlich aus Coverversionen und Black-Crowes-Nummern bestehenden Live-Album schnellstmöglich ein erstes Studioalbum nachzureichen. Er hielt Wort: Heute erscheint das Studio-Debüt seiner neuen Band mit der Elster im Wappen und trägt den Namen „High Water I“.

Nicht nur Titel, Inhalt und der flotte Auslieferungstermin werfen Fragen auf. Insofern ist es umso erfreulicher, dass sich Rich Robinson auch an ein anderes Versprechen erinnert. Vergangenes Jahr, als er am Telefon von seiner Wahlheimat Kalifornien aus die Hintergründe zur Entstehung seines neuen Projekts erläuterte, schloss er das Gespräch, man sehe sich spätestens anlässlich des ersten Studioalbums persönlich. Erneut hielt er Wort und lud zum Treffen in ein Münchner Hotel. Es mag der Situation geschuldet sein, dass das Gespräch vom strikten Frage-Antwort-Spielchen zum Geplauder über verschiedene Themen geriet.

Trafen sich in München: Rich Robinson (li.) und Merkur-Reporter Christoph Ulrich.

Der 49-jährige Künstler erscheint mit Augenringen bis zu den Knien. Aufgrund eines Gewitters hatte seine Maschine von Paris nach München am Vorabend nicht starten dürfen. Woraufhin einer durchwachten Nacht und frühmorgendlichen Radio-Interviews kümmerliche drei Stunden Schlaf folgten. An der Hotelbar wechselt er bei Cappuccino und Wasser von knappen Antworten Schluck für Schluck ins lockere Gespräch. Ob müde oder wach – den Musiker umfängt eine seltsame Ruhe, eine Ausgeglichenheit, wie sie nur Menschen anzumerken ist, die mit ihrer Lebenssituation rundum zufrieden sind. Schon vergangenes Jahr verwies Rich Robinson auf die Harmonie, durch die sich das Leben mit The Magpie Salute von dem mit den Black Crowes absetzte, bei denen Konflikte zum Alltag gehörten und Schatten auf die Musik warfen. „Es war fast so, als würden wir mit einer Revue touren“, erklärt Robinson. „Alles kam ja organisch zusammen und fing mit einer Show an, bei der mich Marc und Ed unterstützten. Daraus wurden ein paar Konzerte, ein Live-Album und schließlich eine ganze Tour.“ Dabei habe man die langjährigen und gleichwohl neu geformten Freundschaften sowie die Musik feiern wollen, „und zwar die, die wir zusammen geschaffen haben, die wir unabhängig voneinander gemacht haben und die, die uns inspiriert hat.“

„High Water II“ ist bereits eingespielt

Mit dem ersten Studioalbum trete man nun als Band an und habe sich, um möglichst effizient arbeiten zu können, von zehn auf sechs Mitglieder verknappt: John Hogg (Lead-Gesang), Marc Ford (Gesang, Gitarre), Rich Robinson (Gesang, Gitarre), Sven Pipien (Bass, Gesang), Joe Magistro (Schlagzeug, Percussion) und Matt Slocum, der dem zwischenzeitlich verstorbenen Ex-Crowes-Pianisten Eddie Harsch nachfolgte. Als Produzent gab Robinson seinen Bandkollegen genau eine Regel vor, die, wie er betont, auch auf der Bühne gelte: „Dient dem Song!“

So kam eine herrlich uneitle Platte zustande. Wobei – der Album-Titel lässt’s erahnen – auf einen Schlag tatsächlich zwei Platten zustande kamen: Der Zwilling „High Water II“ ist ebenfalls schon im Kasten und wird Anfang 2019 erscheinen. „Als wir uns Anfang des Jahres für zehn Tage zum Songwriting trafen, sagte ich zu den anderen: ,Bringt alles, was ihr habt – egal  was, ob alt, ob neu‘.“ So seien 35 Songs entstanden, von denen 28 aufgenommen und in zwei Alben gegossen wurden. „Natürlich haben wir darüber gesprochen, ob wir nicht gleich ein Doppelalbum daraus machen sollten, fanden es aber passender, nicht gleich 28 Titel auf die Menschen zu kippen“, lacht Rich Robinson. „So könnten sich die Leute ein paar Monate damit beschäftigen, bevor die nächste Ladung kommt.“

Zu seinem Bruder Chris hat Rich Robinson derzeit keinen Kontakt

Er selbst genieße beim Ergebnis, dass man ihm die unterschiedlichen musikalischen Hintergründe der einzelnen Musiker anhöre. „Viele sagen dir beim Aufnehmen: ,Du musst das Niveau runterschrauben!‘ – etwa, um erfolgreich zu sein oder im Radio gespielt zu werden.“ Die Wahrheit sei aber: Muss man nicht! Robinson kommt in Fahrt: „,Exile‘ von den Stones wurde nicht dem Massengeschmack angepasst und ,Physical Graffiti‘ von Led Zeppelin auch nicht.“ Man müsse sich mal vorstellen, man hätte den Beatles gesagt, sie sollten ihre kompositorischen Fähigkeiten herunterschrauben. Einem leidenschaftlichen Monolog über die Vorzüge vollkommener und echter künstlerischer Freiheit und das Potenzial, das darin liegt, merkt  man an, dass  Rich Robinson  zwar ein Mann feiner Töne, aber auch  ein Freund klarer Worte ist.

Der vorsichtigen Frage, ob er zwischenzeitlich persönlich einen Kommentar von seinem Bruder Chris, dem Ex-Crowes-Frontmann und jetzigen Chef der Chris Robinson Brotherhood, bezüglich seiner neuen Band bekommen habe, folgen ein promptes „Nein“ und noch deutlichere Worte. Ihm sei nicht entgangen, dass Chris das komplette vergangene Jahr damit verbracht habe zu schimpfen, sein Bruder Rich sei mit einer Black-Crowes-Coverband unterwegs. Er lacht kurz bitter auf: „…um dann eine Black-Crowes-Coverband zu gründen – As The Crow Flies, eine Coverband im Wortsinn.“ Letztlich sei es ihm aber herzlich egal, denn er gehe einen anderen Weg und sei damit sehr glücklich. Er unterbricht sich kurz und deutet auf das Umschlagbild der neuen The Magpie Salute-CD und sagt: „This is happy“ – „Das hier ist Glücklichsein.“

Informationen zum Album: The Magpie Salute: „High Water I“ (Provogue/Mascot).

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