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André Rieu begeistert mit dem Johann-Strauss-Orchester in der Olympiahalle.

Heitere Show

André Rieu in der Olympiahalle: Ein Vollblut-Entertainer

München - Einen verkleideten Stier slapstickartig durch die Olympiahalle jagen zu lassen, der dann auch noch einen feuerroten BH mit den Hörnern „aufspießt“? Das traut sich nur André Rieu: die Konzertkritik.

Der niederländische Geiger scheint mittlerweile über den Dingen oder zumindest seinen Kritikern zu stehen. Und seine 5500 Zuschauer in der Münchner Olympiahalle würden ihn da wohl nur bestärken. Denn der Vollblut-Entertainer bot eine heiter-kurzweilige Show, wobei er sich als Dirigent selten Nachlässigkeiten erlaubte.

Der Mittsechziger mit der Lockenmähne hat in allen Belangen seinen eigenen Stil, und den zieht er durch. Wenn also O Sole Mio vom Johann-Strauss-Orchester richtiggehend geschmettert wird, zwischendrin die Donna-Leon-Titelmelodie getragen zelebriert wird und der Chef höchst selbst bei Die ganze Welt ist himmelblau eine Knutschattacke auf die Cellistin wagt, ist der Charakter des Zuschauers gefragt. Dann findet man als Spielverderber entweder alles plump und albern oder man grinst und genießt den Augenblick. Freilich muss man diese krude Mischung nicht bejubeln, aber einen Applaus hatten die Leistungen von Rieu und seinen 70 Kollegen verdient.

Schöne Akzente setzten gerade die Geigen, beim Liebeslied Bésame mucho ließ das Klavier Tränen perlen. Und dann sang auch noch die aus der Ukraine stammende Sopranistin Anna Reker ungewöhnlich ernst und feinfühlig für den Frieden. Gottlob verzichtete Rieu hier einmal auf seine typisch wilden Verzögerungen und frei gesetzten Beschleunigungen. Doch ab und an schafften auch sie es nicht, diesem Walzer-Operetten-Musical-Reigen den Zuckerguss zu entziehen. Das gipfelte in ein An der schönen blauen Donau, das zwar überaus tanzbar, aber auch allzu gediegen und bieder daherkam. Beim Zugabenblock dagegen war es anders, Rieus Orchester wirkte frech, fordernd und feurig – und sogar Udo wurden sie dann mit ihrem Griechischen Wein gerecht.

Angelika Mayr

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