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Andreas Gabalier.

Im Merkur-Interview

Gabalier ein Schwulenfeind? So schießt der Sänger zurück

München - So leicht er oft daher kommt, hat er es doch gar nicht so leicht: Heftige Kritik schlug Alpenrocker Andreas Gabalier um die Ohren. Sexismus, Homophobie. Im Merkur-Interview verteidigt sich der Sänger. 

Andreas Gabalier setzt sich die Finger als Teufelshörner auf, lässt die Muskeln spielen, macht beim Interview mit Fototermin in den Münchner Räumen seiner Plattenfirma jeden Spaß mit. So wie auf dem Cover seines aktuellen, äußerst beschwingten Albums. Da fliegt Andreas mit einem Dirndl im Arm als „Mountain Man“ über Berge aus Brüsten. Ein Seitenhieb auf seine Kritiker, die dem 30-jährigen Grazer Machogehabe, Sexismus und Schwulenfeindlichkeit vorwerfen. Zunächst überrascht seine Kleidung.

Heute mal in Jeanshemd, Shorts und Chucks statt Lederhose und Wanderstiefel. Ihr privater Stil?

Schon. In der Lederhose bin ich aufgewachsen. Aber natürlich habe ich Jeans und Shorts und freue mich privat sogar immer darauf, diese anzuziehen, weil ich beruflich eben viel in Lederhosen stecke.

Derzeit stecken Sie in der Kritik. Stichwort: „Frauen an den Herd!“

Schwachsinn. Ich sag’ einfach: Gewisse Dinge von früher waren nicht immer nur schlecht. Natürlich bin ich für Gleichberechtigung. Aber dass man in unserer genderverseuchten Zeit bald auf Ideen kommt, wie man im Privatleben vielleicht noch rechtlich festlegen könnte, dass der Mann einmal die Woche den Geschirrspüler ausräumt und die Wäsche aufhängt, das geht irgendwann zu weit.

Und was ist mit Elternzeit für Väter?

Das muss doch jeder für sich entscheiden. Unsere Mama hatte das Glück, relativ lange bei mir und meinen drei Geschwistern zu Hause zu sein. Wir haben diese Mutterliebe im Übermaß genießen dürfen. Das kann aus sozialen Aspekten nicht schaden. Außerdem hoffe ich, dass es noch ein Grundbedürfnis für Frauen ist, sich ein bissel um die kleinen Kinder zu kümmern, die ersten Schritte mit ihnen zu gehen, im ersten, auch zweiten Jahr, sofern es finanziell und familientechnisch möglich ist.

Sie haben auch Schwulenverbände gegen sich aufgebracht. Was gegen Homosexuelle?

Überhaupt gar nicht. Ich kenne sogar drei schwule Pärchen, zwei beim Fernsehen, eins privat. Ich finde nur, dass man diese Sexualität nicht ganz so breit in der Öffentlichkeit austreten muss. Aus Respekt unseren kleinen Kindern gegenüber. Die sollten sich doch ihr eigenes Bild von Sexualität machen, wenn sie alt genug sind. Und nicht unbedingt auf dem Weg in den Kindergarten die Pudelnackerten auf den großen Plakatwänden sehen.

Sind Sie überrascht, dass plötzlich so viel Kritik auf Sie einprasselt?

Nein, das weiß man ja von anderen Künstlern, Sportlern, dass nicht immer eitel Sonnenschein ist. Muss auch nicht sein. Man kann Kritikpunkte ansprechen, sofern sie mit dem nötigen Niveau behandelt werden, was leider oft nicht der Fall ist. Von großem Gegenwind kann ich trotz allem nicht reden. Im Gegenteil.

Toleranz? Nur für die, die der gleichen Meinung sind

Nichts falsch gemacht?

Ich habe lieber Ecken und Kanten als dass ich mit irgendwas mitschwimme, was gar nicht geht. Das ist meine Meinung, fertig. Das ist ja nicht gesetzt deswegen. Zum Teil wird das aber in einer doch angeblich so sehr toleranten Welt aufs Wildeste verteufelt. Die Toleranz reicht nur so weit, bis irgendjemand anderer Meinung ist.

Ist der Album-Song „A Meinung haben“ Ihre Antwort auf die Kritiker?

Genau. Er soll ein bisschen Anstoß sein, für jene, die den ganzen Tag von Toleranz reden und eigentlich nur Heuchelei betreiben. Und er soll auch all jene bestärken, die wirklich hinter dem stehen, was sie sagen.

Dem neuen „Musikantenstadl“ haben Sie als Moderator klar abgesagt.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass – nur weil jetzt Francine Jordi moderiert – Metallica kommt oder DSDS-Zuschauer einschalten. Warum sollte man überhaupt eine Show ändern, die Erfolg hat? Man muss doch nicht alles krampfhaft verjüngen.

Sie wollen 2016 das Olympiastadion füllen, wie kürzlich Ihre Idole von AC/DC. Ist das nicht auch etwas verrückt?

Natürlich ist das ein gewagter Schritt, und ich weiß nicht, ob das gut geht. Aber auf den Königsplatz kamen letztes Jahr über 20 000 Leute, die Olympiahalle ist für November schon ausverkauft – da kann man das schon mal probieren. Zumal mein Veranstalter sagt, wer einmal ein Stadion füllt, ist auf dem Olymp. Das ist kein Größenwahn. Das ist ein Traum. Mein Traum. Es wird sicher zwei, drei Gastauftritte geben. Namen sind aber noch nicht spruchreif.

Wie viel Ironie, wie viel Authentizität steckt in Ihnen?

Authentizität auf jeden Fall. Ich steh zu dem was ich sag’, was ich mache. Ich schreibe meine Songs selber. Der „Mountain Man“ ist natürlich wieder mit einem Augenzwinkern zu sehen. Er soll polarisieren. Aufmerksamkeit schaffen. Also wer den ernst nimmt und denkt, dass ich mich wirklich als Superheld sehe, der tut mir leid.

Das Interview führte Marco Mach.

Informationen

Album: „Mountain Man“ (Electrola); München-Konzerte: 13. November 2015, Olympiahalle (ausverkauft); 30. Juli 2016, Olympiastadion.

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