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Der Papst der Bitocken: Andreas Rebers jongliert auch in seinem neuen Solo lustvoll mit Vorurteilen.

Banker und Bulgaren

Andreas Rebers’ neues Programm: Premierenkritik

München - Andreas Rebers’ ist mit seinem neuen Programm „Rebers muss man mögen“ in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft zu sehen. Lesen Sie hier die Premierenkritik.

In seiner geräumigen Wohnung hat er ein Zimmer komplett verfliest, dort meditiert er, indem er nackt durch den Raum gleitet, den Körper gut eingeölt. Und wenn er beim „Bodysurfen“ mit dem Kopf anstößt, erscheint ihm Peter Alexander. Geschichten wie diese präsentiert Andreas Rebers seinem Publikum, und als ob er es warnen wollte vor sich selbst, hat er sein neues Solo, das am Dienstagabend in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft Premiere hatte, „Rebers muss man mögen“ genannt. Ein Satz, der bei genauerer Betrachtung zwei ganz gegensätzliche Interpretationen zulässt, je nach Betonung.

Gegensätze sind Programm beim Wahl-Münchner mit niedersächsischen Wurzeln, und was nicht passt, wird passend gemacht. Seine langjährigen Jünger kennen die von ihm gestiftete Religionsgemeinschaft der „Bitocken“ bereits. Ausgestattet mit dem Inventar diverser Weltreligionen samt Kirchtürmen, auf denen Rabbiner „Bimbam“ rufen, Gebetsteppich und „dem großen Mompel von Boblowitz“, geistert sie auch durch diesen neuesten Streich. Pseudospiritualität mit leicht osteuropäischem Akzent. „Wir wollen singen“ ruft der Papst von eigenen Gnaden bisweilen pastoral – doch das ist nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Geschichte vom reichen Linken aus Haidhausen, der lustvoll seine grüne Mieterin Frau Hammer quält und überhaupt erschreckend gut hausmeistern kann.

Der Kabarettist lässt sich auch weiterhin nicht festlegen, er ist konsequent ideologieresistent und lässt mit größter Fabulierlust aufeinanderprallen, was nicht zusammengehört. Bestellt sich rechte Schläger, die ihm im Altbau das Parkett aufhacken, und macht sie mit Texten von Elfriede Jelinek erst so richtig wütend. Von „Heulsusenpädagogik“ hält Rebers nichts, eine Tracht Prügel mit der Dachlatte, und zwar „nach allen Regeln der Kunst“, das sei das Richtige – für Nordkoreas Führer.

Rebers, die selbsternannte „radikale Mitte“, jongliert lustvoll mit Vorurteilen aller Art und dem gesunden Menschenverstand, bringt Bulgaren und Banker zusammen (wer ist gut ausgebildet, wer kriminell?), den Bischof von Limburg und die „Lidl“-Tüte und fordert „Todesstrafe für Profikiller“.

„Rebers muss man mögen“ (Untertitel: „Eine Abrechnung“) ist eine hochexplosive, dabei hochkomische Sache, die der 56-Jährige – wie immer – mit viel Musik aufmixt. Seine Virtuosität am elektrischen Klavier, mit dem er alle möglichen Klänge erzeugen kann, und am vertrauten Akkordeon sorgt für die dritte Dimension dieses Abends. Hier erlebt man einen anderen, einen hochpoetischen Rebers, dessen Verse dennoch zutiefst politisch sind.

In solchen Momenten besingt er die Flüsse, die, durch die Betonierung der Natur ihres Bettes beraubt, die Städte verwüsten („Verrat mir mal, wo soll ich hin?“), und widmet dem Beruf der Krankenschwester eine in allen Farben schillernde Hommage („Schon in Deiner frühesten Jugend wolltest Du ein Engel sein...“). Die musikalische Liebeserklärung an den handgeschriebenen Brief verrät die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, der analogen Welt, einer Welt ohne „In Ear“-Kopfhörer, schäumende Informationsfluten im Fernsehen und Daniela Katzenberger.

Ach ja, auch Frau Mbemba, seine ehemalige Putzfrau, hat wieder ihren Platz gefunden im neuen Programm, Rebers besucht sie in Afrika, wo ihn prompt Menschenfresser beißen. Zum Glück lassen sie ihn leben, denn – „Rebers muss man mögen“.

Rudolf Ogiermann

Weitere Vorstellungen:

Bis 15. Februar, dienstags bis samstags, um 20 Uhr, Haimhauser Straße 16. Karten unter Telefon 089/39 19 97.

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