Angebote für Neues schaffen

München - Zukunft des Hauses der Kunst: Grübel-Phase mündet in konkrete Ziele - Endgültige Entscheidung steht noch aus.

Bisher wurde im Bayerischen Kunst-Ministerium das Für und Wider erwogen, nun scheint die Grübel-Phase in konkrete Ziele zu münden. Seit dem Auszug des Bayerischen Staatsschauspiels - es hat seit Juni 2008 das renovierte Cuvilliés-Theater wieder als Bühne - steht der Westflügel des Münchner Hauses der Kunst leer. Obendrein ist er mehr als baufällig. Wie soll die Zukunft aussehen?

Das hat sich auch der im Ministerium verantwortliche Ministerialdirigent Toni Schmid gefragt. Denn die baulichen Maßnahmen sollten sich vernünftigerweise nach der Nutzung richten. Was bei den Überlegungen und Diskussionen unter anderem mit Chris Dercon, dem Prinzipal des Ostflügels des Hauses an der Prinzregentenstraße 3, herausgekommen ist an Konzepten, wird nun im Herbst Minister Thomas Goppel vorgelegt. Der gibt sie dann an Ministerpräsident Günther Beckstein weiter. Nach der Landtagswahl soll ein Ergebnis bekannt gegeben werden.

Dercon wolle keine weiteren Säle bespielen, so Schmid. Seine Kapazität sei ausgereizt. Dass eine Bühne in den Räumlichkeiten nicht gut funktioniere, habe man eingesehen. Eine kommerzielle Ausrichtung komme nicht infrage, denn dazu müsste die Stadt eine Nutzungsänderung befürworten. Was sie nicht tut. Es läuft also wieder auf die bildende Kunst hinaus. In diesem Trakt war früher die Staatsgalerie Moderne Kunst untergebracht. Und so peile man laut Toni Schmid ein Konstrukt an, dass zum anderen, östlichen, Trakt des Hauses der Kunst passe. Er sieht da "ein ungeheures Potenzial": "Wenn es nach mir geht, sollte man für die junge Kunst ein Angebot schaffen. Auch vor dem Hintergrund, dass wir aufpassen müssen, weil uns die Jungen nach Berlin davonlaufen."

Wichtig ist natürlich, dass die neue Lösung finanzierbar ist. Denn die Oberste Baubehörde schätzt nach einer ersten Begehung der Säle den Bedarf auf mindestens 50 Millionen Euro. Und es stehen noch andere Sanierungs-Vorhaben an - Stichwort Gärtnerplatz- und Prinzregententheater.

Ganz klar, dass der bayerische Staat beim Haus der Kunst gern wieder die Stadt München an seiner Seite hätte. "An uns ist noch nichts herangetragen worden", erklärt man im Kulturreferat, das beim Haus der Kunst derzeit lediglich projektbezogen fördert. Einer Zusammenarbeit mit dem Staat ist man jedoch generell nicht abgeneigt.

Keine schlechte Sache, denn dann könnte München bei künftigen Projekten im Westflügel mitreden, mitarbeiten, mitgestalten. Der Kunstbau des Lenbachhauses und die immer wieder gefährdete Lothringer 13 schaffen es alleine nicht, aktuelle, nicht-etablierte Kunst angemessen zu präsentieren. Eine Möglichkeit wäre eine Kunst-Biennale parallel zur renommierten Musiktheater-Biennale. Auf alle Fälle sollte der neue West-Flügel nicht zu sehr im Gleichtakt mit Dercons Ost-Flügel schlagen. Was für Vögel gilt, gilt nicht für Ausstellungen. Eigenständigkeit ist wichtig, denn Konkurrenz belebt das Geschäft.

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