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Angela Gheorghiu

Angela Gheorghiu in München

„Ich singe – und ich entscheide“

München - Diva Angela Gheorghiu plauderte in München über ihren Werdegang, „Guten Abend, gut’ Nacht“ und ihre Pläne.

Vorbereitete Fragen abarbeiten – das funktioniert bei Superstar Angela Gheorghiu nicht. Sie plaudert munter drauflos und erzählt beim Treffen in einem Münchner Nobelhotel, dass sie am Vorabend noch in London auf der Bühne stand, in „La rondine“. Warum eigentlich landet Puccinis Schwalbe nicht auch einmal in München? „Fragen Sie Herrn Bachler“, lacht die Sopranistin und fügt gleich hinzu: „Ich mag ihn sehr gern, wir sind gute Freunde.“

Mit der Covent-Garden-Produktion von „La rondine“ gastierte die Gheorghiu bereits in San Francisco und an der New Yorker Met. „Da müsste sie doch auch für München gut genug sein…“, sagt die 47-Jährige und schießt gleich noch ein paar Pfeile Richtung „Troubadour“ ab. Die neue Münchner Verdi-Inszenierung gefällt ihr gar nicht. „Was soll das, Jungs, wacht auf!“, ruft sie entrüstet.

An der Bayerischen Staatsoper gastierte der aus Rumänien stammende, seit 1990 am internationalen Opernhimmel strahlende Star erstmals 2009 in „La traviata“ und in einem Gala-Konzert. Bei den Opernfestspielen im vergangenen Sommer rührte sie als Mimi in Puccinis „La bohème“. Und im kommenden November kehrt die oft mit der Callas Verglichene nach München zurück: in den Gasteig, wo sie bei ihrem Recital vom Bohuslav Martin(°u) Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Tiberiu Soare begleitet wird.

Als Partner bringt Angela Gheorghiu den jungen brasilianischen Tenor Atalla Ayan mit. Auf welche Arien und Duette sich die Fans freuen dürfen, verrät sie nicht. Nur so viel: Vielleicht spendiert sie dem Publikum eine deutsche Zugabe. „,Guten Abend, gut’ Nacht‘ sang ich bei meinem allerersten Auftritt auf einer Bühne, damals noch im Kindergarten“, verrät die Diva und strahlt. Weil sie kräftiger sang als alle anderen Kinder, präsentierte ihre Erzieherin sie einem Musikschullehrer. Der gab ihr ein Tonband mit dem Brahms-Lied. Sie lernte es rasch und gibt jetzt beim Interview auf dem Hotel-Sofa gleich eine kleine Kostprobe. Klingt gut…

Dass dem so ist, verdankt Angela Gheorghiu ihrer Lehrerin Mia Barbu. „Von ihr habe ich alles gelernt.“ Das gerade mal 14-jährige Mädchen aus der Provinz erfährt bei ihr auch, wie man den Männern und dem Publikum gefällt und sich mit effektvoller Geste in Szene setzt. Eine kleine Kostprobe á la Barbu auf dem Sofa bestätigt das.

Bis sie 18 Jahre alt war, arbeitete Angela Gheorghiu mit dieser so prägenden Frau zusammen. Von ihr fühlte sich die Schülerin verstanden, auch als die Lehrerin von einer Ochsentour durch die Provinz abriet und empfahl zu warten, bis ein großes Haus seine Pforten öffnet. Das geschah tatsächlich: 1990. Nachdem der Eiserne Vorhang gefallen war, lud Londons Covent Garden Opera die Sängerin zum Debüt. Es war der Startschuss zur steilen internationalen Karriere. Sie führte die Tochter eines Zugführers auf die großen Bühnen der Welt, zu renommierten Festivals – und in die Arme von Tenor Roberto Alagna.

Jahrelang galten die beiden als Traumpaar. Kürzlich wurden sie geschieden. Und so taucht der Ex-Mann im Gespräch auch nur als Randfigur auf, wenn die Sängerin von ihrem höchst privaten (Rollen-)Studium erzählt und gesteht: „Selbst Roberto hat mich zu Hause nie einen Ton singen hören.“ Zum Üben zieht sie sich nämlich zurück. Das war schon während ihres Studiums an der Hochschule in Bukarest so. Wenn die Mit-Studenten gegangen waren, tauchte Angela auf, um sich fit zu machen. Von Ratgebern hält sie dabei nicht viel. „Ich allein weiß, was für meine Stimme gut und wann der richtige Zeitpunkt für eine Partie gekommen ist. Ich singe – und ich entscheide.“

Natürlich übt sie auch, aber nur an ausgewählten Orten, „die ich Ihnen nicht verrate“. Schade. Immerhin lässt sie sich ein solches Refugium entlocken: die Schweiz. „Dort habe ich Ruhe, niemand zerrt dauernd an mir herum.“ Ob es für die weltweit begehrte Violetta, Mimi, Marguerite, Magda, Juliette, Nedda, Nanetta, Tosca oder Liu noch eine Rolle gibt, die sie unbedingt einmal singen möchte? „Den ganzen Rest“, scherzt die Gheorghiu und fügt hinzu: „Ich habe keine Ahnung.“

Aber dann schaut sie doch in die Zukunft, spricht von „mehr Barockem“, dem sie sich mit unterschiedlichen Instrumentalisten widmen will. Auch wenn man die Sängerin nicht unbedingt mit Neuer Musik in Zusammenhang bringt, hat sie doch 2007 eine Oper ihres rumänischen Landsmannes und Freundes Vladimir Cosma uraufgeführt. „Auch Vangelis, der griechische Komponist, schreibt für mich. In Katar haben wir mit seiner Musik und unter seiner Leitung das Amphitheater eröffnet, mein Freund Jeremy Irons war der Moderator.“

Ganz so aufwändig wie am Persischen Golf, wo zur Musik eine spektakuläre Licht-Show geboten wurde, wird der Gasteig im November nicht erstrahlen. Doch für Glamour ist bei Angela Gheorghiu, die den griechischen Namen ihres ersten Ehemannes „mit großem Stolz“ trägt, ist auf jeden Fall garantiert.

von Gabriele Luster

Das Konzert

ist am 7. November in der Münchner Philharmonie am Gasteig zu erleben; Karten gibt es unter Telefon 089/ 54 81 81 81.

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