No Angels in München: Ein Kampf, aber kein Sieg

München - Die No Angels in München: Im Atomic Café probieren sie eine Club-Tour - ohne Nadja Benaissa.

Irgendwas stimmt nicht. Es ist nicht der martialische AC/DC-Stempel, den sie einem am Eingang auf die Hand pressen. Nicht die Getränkeauswahl der No-Angels-Anhänger: Cola, Beck’s Lemon, Cocktails – sonst verkaufen sie hier vor allem: Bier. Es ist auch nicht die Unterwäsche in Übergröße, die jemand Lucy Diakowska auf die Bühne wirft. Nein, es sind die No Angels selbst, die nicht so recht in das Club-Ambiente reinpassen wollen.

Die Engel stemmen sich im vollen Atomic Café gegen das schleichende Verschwinden, sie haben viel wegstecken müssen seit ihrem Comeback 2007. Den letzten Platz beim Eurovision Song Contest in Belgrad, dann das Drama um die HIV-infizierte Nadja Benaissa, die sich für den ungeschützten Sex mit mehreren Männern nun vor Gericht verantworten muss.

Der Club-Abend mit den „Acoustic Angels“ soll innig sein, intim, vertraut – doch das forcierte Vibrato Sandy Möllings wirkt in einem Garagen-Rock-Club merkwürdig deplatziert. Deplatziert sind auch die antrainierten Posen, die Masche aller gecasteten TV-Bands. Lucy etwa klopft sich mit der Hand aufs Herz, Sandy wackelt mit dem Hintern. Die No Angels bieten den berechenbaren musikalischen Lebenslauf. Sie starten mit ihrer ersten Single „Daylight“, arbeiten sich über „All Cried Out“ schnell zu Neuem wie „Goodbye to Yesterday“ vor – gut so. Das alles klingt nach Gospel, Funk, Latino-Pop. Es fällt auf, wie sehr die Band sich bei anderen bedient hat, etwa bei den Spice Girls. Die drei Engel – Nadja hat krankheitsbedingt abgesagt – treffen nicht jeden Ton. Aber das ist okay. Das Problem ist nicht die Musik, sondern die traurige Geschichte dieser „Popstars“, die kämpfen können, aber nie mehr siegen werden.

Thierry Backes

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