Angenehmes Spielbein

- "Keine Kräche, keine Entfremdungen." Und das immerhin über einen Zeitraum von 30 Jahren, so lange besteht das Bach Collegium München. Sein Chef, der Violinist Florian Sonnleitner, kann über die Historie dieses Kammerorchesters nur Gutes berichten, über diesen besonderen "menschlichen Zusammenhalt, der nicht von Konkurrenz geprägt ist". Am kommenden Samstag lädt das Bach Collegium zum offiziellen Jubiläumskonzert in die Philharmonie (20 Uhr). Leos Svarovsky dirigiert, Solistin ist Diana Damrau (Sopran).

<P>Seine Wurzeln hat das Bach Collegium in der Kirchenmusik: Um den damaligen Kantor der Münchner Christuskirche, Christian Kabitz, sammelten sich Studenten der Musikhochschule, die das Osterprogramm gestalteten. Kabitz leitete das Orchester bis 1979, bevor es Sonnleitner als Primus inter pares übernahm. Mittlerweile spielen die damaligen Newcomer hauptberuflich in renommierten Klangkörpern, Sonnleitner etwa ist Erster Konzertmeister beim Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks. "Ungefähr zehn Leute von damals", so der Chef, seien noch heute im Bach Collegium aktiv.</P><P>Im Unterschied zu den Supertankern des Musikmarkts pflegt diese private, hochkarätig besetzte Vereinigung andere Klangvorstellungen. "Wir spielen zwar auf modernen Instrumenten, haben uns aber die Erkenntnisse der Alten Musik zu Eigen gemacht", sagt Sonnleitner. Besonders durch Zusammenarbeit mit Experten à` la Christopher Hogwood konnte sich das Ensemble "in die barocke Rhetorik einfühlen". Daher liegen die Repertoire-Schwerpunkte naturgemäß beim Namensgeber Bach, vor allem aber bei Mozart, dessen Geburtstag das Orchester jedes Jahr am 27. Januar mit einem Konzert feiert. Etwa zehn Konzerte plus gelegentliche Tourneen absolviert das Bach Collegium pro Saison - ein, wie Sonnleitner formuliert, "angenehmes Spielbein" neben dem Hauptberuf im großen Orchester.</P><P>Auf einen festen Dirigenten verzichtet das Ensemble seit 1979, was "Eigenverantwortung, Aufmerksamkeit und Selbstverwirklichung" nur fördere. Gerade die Aufführung der Wiener Klassik begreift Florian Sonnleitner als "große intellektuelle Schulung" - zumal die Symphonie-Orchester Derartiges zunehmend den Spezialensembles überließen. Dennoch will sich das Bach Collegium dem 20. Jahrhundert nicht verschließen. Britten und Schnittke standen auf den Programmen, "auch zu Uraufführungen wären wir gern bereit". Zum Jubiläumskonzert freilich serviert man Traditionelles: Schumann, Mendelssohn Bartholdy, natürlich Mozart - und immerhin Jan Joetsiers "Französisches Konzert" für zwei Flöten und Orchester.</P><P>Karten unter 0800/ 545 44 55.<BR></P>

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