Angriff auf: Kritiker: Skandal in Frankfurt

- Es muss keine Liebe sein zwischen Schauspielern und Kritikern. Auch gegen Hass ist nichts einzuwenden, solange er eine private Angelegenheit bleibt. Wenn aber derartige Gefühle in einem öffentlichen Raum artikuliert werden, sind sie schädlich und dumm obendrein.

So geschehen während einer Premiere des Schauspiels Frankfurt. Gegeben wurde Ionescos "Das große Massakerspiel oder Triumph des Todes". Regisseur Sebastian Hartmann hat daraus eine Art rüdes Mitspieltheater gemacht. Das nutzte Schauspieler Thomas Lawinky als Freibrief, den anwesenden Kritiker der FAZ, Gerhard Stadelmaier, zu beschimpfen und anzugreifen. Er entriss ihm den Notizblock, rief "mal sehen, was der Kerl geschrieben hat" und "Hau ab, du Arsch, verpiss dich". "Noch nie bin ich so beschmutzt, so beleidigt, so erniedrigt worden. Und noch nie bin ich so traurig gewesen über das Theater", sagt Stadelmaier, der nach diesem Eklat die Premiere verließ.

Der Skandal ist ein doppelter. Einmal auf Seiten des Theaters: die dreiste Dummheit des Schauspielers, dessen "Aktion" einem tätlichen Angriff auf die Pressefreiheit gleichkommt; die Tatsache, dass er mit seiner Verhaltensweise seinen ganzen Berufsstand in den Dreck zieht; und das geistige Niveau der Bühne, auf das man nach dieser Attacke schließen kann. Intendantin Elisabeth Schweeger will rein zufällig nicht in der Premiere gewesen sein. Sie musste sich Freitag offiziell entschuldigen und den Schauspieler fristlos entlassen. Das war die Forderung von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth.

Die andere Seite des Skandals betrifft die eigene Zunft. Dass keiner der anwesenden Kritiker aufgestanden ist und zusammen mit Stadelmaier den Saal verlassen hat, ist Schande und Armutszeugnis.

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