Angriffslustige Interpretation

- Hilary Hahns kammermusikalischer Auftritt im Münchner Herkulessaal (zusammen mit der Pianistin Natalie Zhiu) konnte erst in der zweiten Konzerthälfte für richtige Begeisterung sorgen - mit Bach. Ihre solistische Darbietung seiner E-Dur-Partita BWV 1006 - begleitet wurde sie dabei nur von der rauschenden Saallüftung - ließ auch nicht viel zu beanstanden: Von den wasserklaren Passagen des Preludio bis zur finalen Virtuosität der Gigue bot Hahn eine gesunde und erdgebundene, manchmal vielleicht etwas zu schlackenlose Interpretation von Bachs Spätwerk.

<P>Ihr konzentrierter, gebündelter Ton, ihre musikalische Kraft zum Fokussieren und enorme Technik bewährten sich auch aufs allerbeste in Debussys g-moll-Sonate. Während ihre Klavierpartnerin Natalie Zhiu eher kultiviert denn wirklich prägnant begleitete, immer um schönen Ton und runde Kanten bemüht, gab Hahn hier energisch die Richtung vor. Heftiger Beifall nach einem nervigen und aufgekratzten "Intermède" und einem wahrhaft abenteuerlichen Finale.<BR>Die zu Beginn gespielte Sonate Nr. 1 von Ernest Bloch dagegen hinterließ einen vergleichsweise schalen Eindruck. Das mochte zum großen Teil wohl an der Musik selbst liegen: denn trotz der angriffslustigen und engagierten Interpretation von Hahn und Zhiu wirkte Blochs Opus allzu schwül und sumpfig, letztlich auch zu orientierungslos, um den Hörer packen zu können.</P><P>Vor der Pause Schuberts A-Dur-Sonate op. 162. Das Hauptthema des ersten Satzes wurde mit forscher Energie genommen und damit aus der Gefahrenzone des Zu-Gemütlichen und Zu-Entspannten befördert. Auch im Andantino wurde diese direkte, "gerade" Strategie beibehalten, was einen etwas unruhigen, nervösen Duktus zur Folge hatte. Scherzo und Finale schließlich gelangen belebt und belebend. Herzlicher Applaus.<BR></P>

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