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Noch proben die Tänzer in den Bavaria Filmstudios – am Mittwoch kommt die Show „Animal Instinct“ nach drei Jahren Vorbereitung in der Muffathalle heraus

Weltpremiere in München

"Animal Instinct": Mit Volldampf zurück zur Sinnlichkeit

München - Noch proben die Tänzer in den Bavaria Filmstudios – am Mittwoch kommt die Show „Animal Instinct“ nach drei Jahren Vorbereitung in der Muffathalle heraus.

Das kann der Anfang von etwas Großem werden. Sanja Ristic spürt das. Und: Sie will es. Die 35-Jährige mit der blonden Mähne strotzt vor Energie. Sie ist Produzentin, Regisseurin und Performerin – und arbeitet seit drei Jahren an einem Projekt, das nun in München Weltpremiere feiert: „Animal Instinct“, eine Liveshow aus Musik, Tanz, Mode und Multimedia.

Klingt erstmal vage. Doch wer sich in diesen Tagen in eine der Hallen auf dem Gelände der Bavaria Filmstadt in Geiselgasteig verirrt, in der Ristic mit ihren Tänzern proben darf, kann sich dem Sog der Inszenierung kaum entziehen. „Are you alive or just breathing?“ – „Lebst du oder atmest du nur?“, schallt es durch die düstere Halle. Darin steht eine imposante Bühne, die mit ihren Ecken und Kanten einer Felswand gleicht. Die Schatten, die die Techniker auf die Bühnenwände projizieren, verstärken das Gefühl, dass wir uns hier mitten in einer Höhle befinden. Oder in einem Wald? Es flackert, es glitzert. Es wirkt bedrohlich und doch ganz rein. Die Kulisse steht auf einem Podest. Darunter ein Gang, unter dem es kriecht und schlängelt. Muskulöse Männerkörper verrenken sich. „Just follow your instinct“ – „Folge deinem Instinkt“, dröhnt die Stimme aus der Lautsprecherbox.

„Ja, folge deinen Instinkten – das ist die Botschaft“, sagt Sanja Ristic. „Wenn wir unserem Instinkt folgen, wenn wir zulassen, dass das Platz hat“ – und sie deutet mit ihren Händen auf ihr Herz – „dann können wir auch anfangen, wieder eine Synchronizität zu erfahren. Dann fließt es wieder. Dann sind wir wieder bei dem, was uns wirklich glücklich macht. Ich mache diese Show, weil ich sage: Hey, das ist wichtig. Das ist wirklich wichtig!“

Die schwitzenden, vor Kraft strotzenden Männerkörper kämpfen jetzt. Dann kommt die Frau. Mit roten Haaren, blasser Haut. Die beiden Männer greifen nach ihr. Animalisch. „Wir müssen zurück zur Sinnlichkeit, zur wilden Schönheit, zur Leidenschaft, zu diesem Feuer, da müssen wir immer wieder Steine reinhauen, damit das brennt“, sagt Ristic. Bei der Weltpremiere, am Mittwoch in der Münchner Muffathalle, will sie die Leute wachrütteln und sagen: „Live it! Breathe it!“ Lebe es, atme es. Dazu hat sie die besten Tänzer gesucht und in New York gefunden. Was die Tanz-Crew von Animal Instinct hier macht, nennt sich „Bone Breaking, Flexing und Voguing“–vermischt mit Elementen aus Contemporary, Ballet und Hip Hop. Die choreographischen Teile der Show entwickelte Sanja Ristic zusammen mit den Tänzern.

Um sie zu finden, ist sie in den Untergrund gegangen: „Freie Tänzer veranstalten in New York Wettkämpfe im Tanz. Das war eine Atmosphäre wie im Film ,Fight Club‘. Nur dass sie sich nicht schlagen, sondern tanzen.“ Die oberste Regel bei diesem Wettstreit: „Beeindrucke den Gegner – was auch passiert.“ Die Kandidaten tanzten in einer Intensität, die Ristic noch nie erlebt hatte: „Die benutzen den Boden, die Wände und alles, was sich bietet. Ich stand nur da und war platt.“ Zum Tanz kam die Musik, die sie aus den verschiedensten Genres zusammengefügt hat. „Allein der Soundtrack war ein Jahr Arbeit“, erzählt sie. Die Lieder: ihr Drehbuch. „Ich brauche keine Texte, ich will es fühlen. Mit Musik und mit Tanz – das ist das, womit ich auf eine Reise ging.“

Drei Jahre dauerte diese Reise. Nach dem Verpflichten der Tänzer ging es ans Gelder sammeln und Trailer für die Sponsoren filmen.

Es ist schon spät, langsam wird es dunkel. Ristic springt auf die Bühne, tanzt, lacht. Ist sie nicht gestresst wegen des Auftritts in ein paar Tagen? „Im Gegenteil. Genau deshalb funktioniert’s: Weil ich etwas mache, was meine Leidenschaft ist. Natürlich ist es ein Kampf, es machen zu dürfen. Aber man muss auch fürs Glück kämpfen. Auch Glück braucht Muskeln.“

„Animal Instinct“

ist am 18. Juni, 20.30 Uhr, in der Münchner Muffathalle zu sehen. Karten zu 20 Euro gibt’s an der Abendkasse (ermäßigt: 15 Euro).

Katja Kraft

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