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Im Gespräch: Schauspielerin Anja Kruse mit MM-Journalist Marcus Mäckler im Bayerischen Hof.

Zur Premiere

Anja Kruse im Merkur-Interview

München - Anja Kruse spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über ihre Rolle in der Komödie im Bayerischen Hof, Hansi-Hinterseer-Filme und ihre Großmutter aus Köln.

Anja Kruse ist ja eigentlich ein Fernsehgesicht. „Traumschiff“, „Schwarzwaldklinik“ und das „Forsthaus Falkenau“ gehören zu den Serien, mit denen sie bekannt wurde. Seit einiger Zeit ist ihr aber das Theater wichtiger. Als Hillary lässt sie sich von Mittwoch an im Boulevard-Stück „Das Gras ist grüner“ vom Ölmulti Charles verführen. Bevor die Inszenierung in der Komödie im Bayerischen Hof Premiere feiert, haben wir mit der 56-Jährigen gesprochen.

In „Das Gras ist grüner“ spielen Sie eine Frau im Dilemma: Sie will, was sie nicht hat. Kennen Sie das?

Natürlich. Viele Menschen sind so, dass sie immer Sehnsüchte haben und sich gerne blenden lassen von Dingen, die sie vom Hörensagen kennen. Und weil sie natürlich nie wirklich drinstecken, halten sie es für was Besseres als das, was sie selber haben.

Sie sind Buddhistin. Ist das nicht ein sehr karmafeindliches Eingeständnis?

Ja, ähm... nein, in dem Sinn nicht, weil: Ich mache kein Zen, wo es darum geht, jegliche Art von Begierden und Wünschen aus meinem Leben auszumerzen und mich in Versenkung auf eine indische Klostermatte zu begeben. Im Gegenteil ist es wichtig, dass man sich über diese Wünsche klar wird und merkt: Das Gras ist eben nicht grüner auf der anderen Seite. Dann sagt man: „Okay, es ist ein schöner Traum.“ Und vielleicht spornt es mich an in meinem Willen, viel Geld zu verdienen oder einfach was zu bewirken in meinem Leben. Das kann man als Motor benutzen. Auch Hillary im Stück merkt, dass sie einer Illusion hinterherjagt. Und letztendlich hat natürlich ihr Mann Recht, der sagt: „Ich sehe Dich nicht in dieser Jetset-Welt.“

Sie sprechen von Bewusstwerdung. Ist das Theater für Sie eine Möglichkeit dazu?

Nee, es ist umgekehrt. Ich gehe mit meinem Bewusstsein an die Figuren heran, um ein tieferes Verständnis zu entwickeln. Das hilft mir bei der Entwicklung einer Figur und ihres psychologischen Hintergrunds. Theater ist keine Therapie. Das finde ich ziemlich albern.

Ist ja auch ein eher leichter Stoff...

Das Boulevardtheater hat so einen blöden Beigeschmack. Aber Figuren sind Figuren, ob sie Herr Shakespeare geschrieben hat oder sonst wer. Ich mache da keinen Unterschied. Es gibt ja auch keine Schwarz-Weiß-Menschen.

Apropos Schwarz-Weiß. Auf Ihrer Homepage listen Sie sehr ausgiebig Dinge auf, die Sie mögen und die Sie nicht mögen.

Ich sollte da vielleicht oben noch einen fetten Smiley drübersetzen. Ich habe dort einfach mal diese Fragen gesammelt, die man gestellt bekommt und die teilweise so blöde sind. Was wollen Sie lieber? Was ist Ihr No-Go? Vielleicht muss ich die Liste ohnehin mal überarbeiten.

Unbedingt, da steht, dass Sie Madonna für eine gute Schauspielerin halten.

Ich fand sie echt gut in „Evita“. Ich hab’s ihr geglaubt.

Vielen sind Sie durch Ihre Rolle im „Forsthaus Falkenau“ im Gedächtnis. Fühlen Sie sich da unterbewertet?

Nein. Es ist ja immer alles ein Kind der Zeit gewesen. Ich weiß, dass ich den Fehler gemacht habe, aus reiner Geschäfts- und Imagepolitik acht von diesen Hinterseer-Filmen zu drehen. Zwei hätten’s auch getan. Aber da ich ein scheißloyaler Mensch bin, hab’ ich mich nicht getraut zu sagen, ich klinke mich aus.

In „Das Gras ist grüner“ spielt Christian Wolff Ihren Mann, wie schon im „Forsthaus“. Ist das jetzt eine Art Neuauflage für Sie?

Es ist eher eine „Nora“-Neuauflage. Weil mit Ibsen standen wir vor 25 Jahren zum letzten Mal gemeinsam auf der Bühne. Es war auch seine letzte Theater-Rolle. Ich die Nora, er der Torvald. Das hat unheimlich gut funktioniert.

Und jetzt? Patrick, der Sohn von Christian Wolff, spielt Charles, den Verführer. Gibt’s da eine besondere Spannung zwischen Vater und Sohn?

Die beiden schieben das auf der Bühne komplett zur Seite. Und sie haben das natürlich ausgemacht. Christian wollte mit mir spielen, sagte dann, das wäre auch was für Patrick und mich. Aber wir haben gesehen, dass das nicht funktioniert – er ist zu jung für den Ehemann. Jetzt passt es. Reich und jung sind zwei gewichtige Verführungs-Argumente.

Ihre Haare waren zuletzt auch Thema. Warum?

Die Komödien-Chefin Frau Bönisch hat mich plattgeklopft. Wir haben uns damals auf diese rote Perücke eingeschossen. Und jetzt hieß es plötzlich: Aber die Leute wollen doch Sie sehen. Man erkennt Sie doch nicht. Und dann hat sie meine Extensions gesehen und „Bitte, bitte, bitte...“. Jetzt seh ich halt ein bisschen mehr wie Audrey Hepburn aus.

Das Stück ist eine Koproduktion dreier Theater aus Köln, Düsseldorf und München. Wo ist denn für Sie das Gras am grünsten?

In Düsseldorf hab’ ich am meisten gespielt, das ist wie nach Hause kommen. Köln... diese rheinische Frohnatur ist mir zu viel Frohnatur. Ich kenne das, meine Großmutter kommt daher. Und das war mir immer alles zu viel. Ich wurde zu viel geknuddelt, zu nass geknutscht. Sie hat zu laut gesprochen, zu viel Salz ans Essen getan, war immer zu fröhlich. Ich werde damit nicht warm. In München hab’ ich ne ganze Menge Freunde, die Stadt ist mir am nächsten.

Es gibt ein fingiertes Interview mit Ihnen im „Standard“. Da heißt es, Sie würden gerne Falschäußerungen über sich verbreiten. Ist was dran?

Eine Frechheit. Ich bin mal gefragt worden: Was würden Sie sich wünschen. Und ich denk’ immer, so völlig abstruse Antworten sind oft lustiger und ich sagte: „Ich hätte gerne mal einen Tag mit Tarnkappe.“ Aber das ist ja nicht Falschinformation.

Das Gespräch führte Marcus Mäckler.

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