Anna Netrebko: „Mir fällt Komödie leichter“

München - Anna Netrebko über die Auftritte mit ihrem Mann, Opern-Emotionen und Publikumsfeste. Ein Interview:

Ein Familientreffen mit Tenor-Promi wird das: Am 29. Juli 2011 treten Anna Netrebko und ihr Mann Erwin Schrott mit Jonas Kaufmann auf dem Münchner Königsplatz auf. Karten für den Operngipfel gibt es unter der Telefonnummer 0180/ 54 81 81 81.

Ihr vergangener Auftritt am Königsplatz war ein enormer Erfolg. Belastete es, dass alle nun eine Wiederholung oder womöglich ein noch größeres Spektakel erwarten?

Genau deshalb ist es gut, dass wir dazwischen ein Jahr Pause hatten. Diese Konzerte sind immer eine große Herausforderung, weil ich jedes Mal etwas besonderes daraus machen möchte. Ein großes Fest für uns und das Publikum.

2009 lag der Schwerpunkt beim russischen Repertoire. Was erwartet uns diesmal?

Wir haben uns bemüht, Sachen zu finden, die noch nicht zu hören waren. Und dass wir jetzt als Trio unterwegs sind, gibt uns bei der Auswahl natürlich gleich viel mehr Möglichkeiten. Mit Erwin zusammen singe ich unter anderem „Porgy und Bess“, was für uns beide komplett neu ist. Außerdem gibt es von ihm noch ein paar Tangos, die er wirklich ganz fantastisch singt.

Trotzdem dürften sich die meisten Liebesduette zwischen Ihnen und Jonas Kaufmann abspielen...

Ja, mit ihm möchte ich unter anderem das Duett aus „Manon Lescaut“ singen. Eine Rolle, die ich in einigen Jahren auch zum ersten Mal auf der Bühne ausprobieren werde. Für den Anfang erst einmal das Duett. Und es wird noch ein paar Überraschungen geben.

Es ist das erste Mal, dass Sie und Erwin Schrott in München gemeinsam auf der Bühne stehen.

Jeder von uns hat eben seine eigene Karriere, und das ist auch gut so. Doch wenn sich, wie jetzt, eine Gelegenheit ergibt, dann freut es uns natürlich.

Außer „Carmen“ oder „Don Giovanni“ gibt es nur wenige Opern, die Sie beide im Repertoire haben. Suchen Sie gezielt nach gemeinsamen Projekten?

Wir werden bald „Faust“ zusammen machen, auch den „Liebestrank“. Aber das war es dann schon wieder. Es kommt einfach so, wie es kommt. Und wir erzwingen es auch nicht, gemeinsam aufzutreten.

Beeinflussen Sie sich gegenseitig bei Rollenauswahl und Studium?

Selbstverständlich sprechen wir über unsere Auftritte. Immerhin ist die Musik ein großer und wichtiger Teil unseres Lebens. Aber sie ist jetzt nicht unser einziges Thema. Es gibt so viele andere und ganz alltägliche Dinge, die uns als Familie beschäftigen.

Bei unserem letzten Gespräch haben Sie eine Entwicklung hin zum schwereren Fach angedeutet. Wie passt es da jetzt, dass Sie im Vorfeld des Open Airs Pergolesis Stabat Mater singen?

Keine Angst, ich werde nicht auf die Barockschiene umschwenken. Ich singe das auf meine ganz eigene Weise. Hören Sie sich zum Beispiel die alte Abbado-Aufnahme an, die auch keinem puristischen Barockstil folgt. Genauso stelle ich mir das vor. Sehr italienisch. Mit „Manon Lescaut“ ist es ähnlich. Das ist vom Orchester her sehr schwer, aber ich denke trotzdem, dass ich es gut machen kann. Immerhin ist Manon, genau wie die Mimì in „Bohème“, ein junges Mädchen, für das man eine jugendliche Stimme braucht. Kein schwerer Brocken wie Butterfly.

Die von allen Puccini-Figuren auch emotional am stärksten fordert?

Ja, und gerade als Mutter könnte ich das nie spielen, weil ich mich einfach nicht in diese Situation versetzen möchte. Das ist eine dieser Rollen die ich allein deshalb nicht singen kann.

Viele der Frauen, die Sie auf der Bühne verkörpern, verfallen dem Wahnsinn oder sterben sogar. Sind Sie es manchmal Leid auf der Bühne zu leiden?

(Lacht.) Ja, manchmal schon. Aber ich werde in München ja auch bald den „Liebestrank“ machen. Was ein guter Kontrast zur „Anna Bolena“ ist, die ich gerade für Wien vorbereite. Wenn es nur nach mir ginge, würde ich viel öfter komische Rollen spielen. Erst neulich habe ich mit einer Kollegin darüber gesprochen, dass ich die Leute gerne mal wieder zum Lachen bringen würde. Und sie meinte nur, das Leiden auf der Bühne wäre doch gerade das Schöne an unserem Beruf.

Ist es einfacher, die Menschen zum Lachen oder zum Weinen zu bringen?

Wenn man eine dramatische Rolle verkörpert, sind da von Haus aus immer große Emotionen und man muss sich sehr unter Kontrolle haben, um das glaubhaft darzustellen. Eine Komödie muss dagegen ganz leicht und natürlich sein. Die besten Komiker spielen ja nicht krampfhaft auf lustig, sondern sind eben sie selbst. Deshalb fällt mir Komödie leichter, weil ich mich nicht verstellen muss und meinen Spaß haben kann.

Das Gespräch führte Tobias Hell.

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