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Anna Netrebko.

Die Russen kamen: Open Air auf dem Münchner Königsplatz mit Anna Netrebko und Dmitri Hvorostovsky

Star mit Zar

München - Die Russen kamen: Beim Open Air auf dem Münchner Königsplatz begeisterten Anna Netrebko und Dmitri Hvorostovsky.

Was für ein tapferer Ehemann. Spart sich zwar die Ouvertüre zu „Ruslan und Ludmilla“. Sitzt dann in der ersten Reihe – und muss mitansehen, wie sie Händchen hält. Mit Ko-Star Dmitri Hvorostovsky und dann auch noch mit Sergej Skorokhodov, dem Überraschungstenor des ersten Teils. Erwin Schrott nimmt so was professionell: Seine Anna Netrebko, ob sie nun in den Musentempeln der Welt singt oder wie gestern Abend auf dem Königsplatz, muss er eben teilen. Im Münchner Fall mit Tausenden Fans, die nicht nur auf die anfangs zitternden Bilder der beiden Video-Wände, sondern auch bange gen Himmel starrten.

Wer eines jener typischen Events mit Star plus Kollegenbeilagen aus zweiter bis dritter Reihe befürchtet hatte, sah sich angenehm überrascht. Hvorostovsky und Dirigent Valery Gergiev, der Zar des russischen Musiklebens, blieben (fast) auf Augenhöhe mit der Netrebko.

Das Programm: Im ersten Teil lauter Maßanfertigungen für die hörbar vollmundiger gewordene Stimme der Russin. Denn mag sich die Netrebko noch immer für einen Belcanto-Sopran halten oder als Madame Butterfly Lust auf viele weitere Puccini-Einsätze wecken – zu Hause ist sie einfach im heimatlichen Repertoire.

Gestartet wurde von Null auf Hundertzehn mit der phänomenal gestalteten Arie der Ludmilla, von der Netrebko mit passend koketten Wiege-Bewegungen begleitet – ein Vorgeschmack auf ihren Zugaben-Tanz. Doch Liebestraum hin, Liebestrauma her: So richtige Stimmung mochte zunächst nicht aufkommen. Lag’s am fahrigen Gergiev, der mit dem Mariinsky-Orchester die Polonaise aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“ oder Glinkas Ouvertüre zu „Ruslan und Ludmilla“ wie Uhrwerke abschnurren ließ? Oder lag’s eben doch am kühlen Wind, der die Massen zum Frösteln brachte? Immerhin blieben die Regenumhänge, Stückpreis ein Euro, unausgepackt.

Zur Pause dräuten zwar dunkle Wolken, getropft hat jedoch allenfalls das Weißbier aus den Zapfhähnen der Catering-Zelte. Mancher verließ állerdings frierend den Platz schon vor Konzertende. Herzerwärmender trotzdem die Nummern im zweiten Teil – obgleich Gergiev mit Richard Wagners „Tannhäuser“-Ouvertüre oder Netrebko mit Strauss’ „Cäcilie“ fremdelten. Als schwer frustrierter Onegin provozierte Hvorostovsky den ersten längeren Bravo-Beifall, fühlte sich hörbar wohler als in der Rolle des mit schwerem Akzent „gesegneten“ Wolfram.

Akustisch blieb der Königsplatz in einigen Ecken fragwürdig beschallt. Was drei Kontrabassisten des Mariinsky-Orchesters dank Technik anrichten können: So wummernd und dröhnend ward eine derartig dünne Besetzung wohl noch nie erlebt. Und ein wenig hatten sich wohl auch die Veranstalter verkalkuliert. In den ersten Reihen blieb mancher VIP-Platz frei. Was Wunder: Für 316,10 Euro pro Karte lässt sich schließlich auch ein netter Kurzurlaub in wärmeren Gefilden verbringen.

von Markus Thiel

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