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Tickets werden nicht zurückgenommen

Anna Netrebko sagt Staatsoper-Engagement ab 

München - Es hat einfach nicht funktioniert: Wegen Differenzen mit Regisseur Hans Neuenfels hat Opernstar Anna Netrebko ihr Engagement an der Staatsoper abgesagt.

Mit Diven, auch mit den skeptischen, kann er eigentlich ganz gut, man denke nur an die Berliner Arbeiten mit Julia Varady oder an „Medea in Corinto“ mit Nadja Michael in München. Doch Anna Netrebko und Hans Neuenfels, das funkioniert nicht. Am vergangenen Freitag hatte die Russin genug und sagte Puccinis „Manon Lescaut“ an der Bayerischen Staatsoper ab. Die Blockbuster-Produktion der Spielzeit muss damit ohne ihren weiblichen Star auskommen. Für die Netrebko springt nun zwei Wochen vor der Premiere am 15. November Kristine Opolais ein.

Ein Riesenkrach? Oder war’s einfach die Chemie? Nach Auskunft der Staatsoper hat Anna Netrebko bereits einige Tage mit Hans Neuenfels geprobt. Dabei habe sich „ein Prozess ergeben“, an dessen Ende eben das Addio der 43-Jährigen stand. Naturgemäß lässt sich ein Haus bei solchen Situationen nicht in die Karten schauen. Neuenfels ist allerdings bekannt dafür, dass er – wenn sich die Laune mal verdüstert – einen robusten bis heftigen Umgangston pflegt. Von der Probenzeit während seines Bayreuther „Lohengrins“ etwa wird berichtet, da habe es die ein oder andere Ausfälligkeit und Explosion des 73-Jährigen gegeben. Was dem Erfolg keinen Abbruch tat: Dieser „Lohengrin“ ist – wie viele andere Arbeiten von Neuenfels – mittlerweile legendär.

Der verbliebene Star muss sich nun gar nicht groß umstellen. Jonas Kaufmann und Kristine Opolais haben „Manon Lescaut“ schon in London zusammen gesungen, Premiere war im vergangenen Juni. „Es ist Anna Netrebko zu danken, dass sie sich frühzeitig entschieden hat, die Premiere wegen unterschiedlichen Auffassungen des Werks zurückzugeben“, ließ Münchens Intendant Nikolaus Bachler wissen. Man freue sich auf Engagements der Netrebko in den nächsten Spielzeiten.

Opernfans, die bis zu 243 Euro für eine Karte gezahlt haben, können übrigens nichts reklamieren: Die Tickets werden weder zurückgenommen noch verbilligt. Immerhin muss man (vorerst?) nicht um den zweiten Star zittern. Jonaus Kaufmann hatte die Echo-Preisverleihung kürzlich wegen „schwerer Grippe“ abgesagt. Dazu heißt es aus dem Pressebüro der Staatsoper knapp: „Ihm geht’s gut.“

Markus Thiel

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