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Anna Thalbach bei der Filmpremiere am Sonntagnachmittag im Münchner Mathäser: Die Schauspielerin hat Otfried Preußlers „kleinem Gespenst“ ihre Stimme geliehen. Am Donnerstag läuft der Film in unseren Kinos an.

Anna Thalbach: Interview zum Kinostart

„Darauf habe ich so lange gewartet“

München - Anna Thalbach spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über das Glück, das „kleine Gespenst“ nach Otfried Preußlers Kinderbuch sprechen zu dürfen.

Anna Thalbach stammt aus einer dieser Familien, die man andächtig „Schauspieler-Dynastie“ nennt: Die Großeltern waren Brecht-Mimin Sabine Thalbach und der Regisseur Benno Besson, ihre Mutter ist Katharina Thalbach. Ihr leiblicher Vater ist Schauspieler Vladimir Weigl, ihr Ziehvater war der Schriftsteller und Regisseur Thomas Brasch. Mit sechs Jahren stand sie neben ihrer Mutter für „Engel aus Eisen“ erstmals vor der Kamera. Seitdem sieht man sie regelmäßig auf der Bühne, im Kino – und vor allem hört man sie: Thalbach zählt zu den profiliertesten Hörbuch-Sprecherinnen des Landes. In der Otfried-Preußler-Verfilmung „Das kleine Gespenst“, die am Donnerstag in unsere Kinos kommt, spricht die 40-jährige Berlinerin die Titelrolle.

Hat es Spaß gemacht, das kleine Gespenst zu sprechen?

Auf diese Chance habe ich ja so lange gewartet! So lange! Ich bin schon jahrelang, seit es immer mehr Animationsfilme gibt, an einer solchen Rolle interessiert gewesen.

Erstaunlich, wenn man bedenkt, wer inzwischen schon alles eine Sprechrolle in einem Animationsfilm übernommen hat...

Ja, absolut. Warum darf Tokio Hotel?! Warum darf Blümchen?! Warum darf die und die und der und ich nicht??!! Ich mache das mit Liebe und Wonne und bringe alles mit, was man dafür braucht. Das wäre dann nicht so ein Promo-Mist. Deswegen bin ich auch total dankbar und hoffe ganz doll, dass ich jetzt weiterhin in diesem Bereich tätig sein kann. Weil ich das ganz einfach wahnsinnig gerne mache.

Warum? Müssen Sie, wenn Sie eine Filmfigur sprechen, mehr spielen als bei Hörbüchern?

Auch. Das Hauptthema meiner Arbeit ist einfach die Sprache. Das ist es, was mich reizt, und was ich auch am Spielen liebe. Was man mit der Sprache und der Melodie und der Lautstärke alles anstellen kann. Es ist ein Geschenk, dass wir Menschen das können. Daher ist für mich das Spielen oder das Sprechen einer gezeichneten Figur völlig gleichwertig.

Ab welcher Phase waren Sie in die Verfilmung dieses Kinderbuch-Klassikers eingebunden?

Ich war zumindest die Erste, die arbeiten musste. Weil meine Gesichtszüge auf das Gespenst übertragen werden sollten, hatte ich viel mit den Leuten von der Computeranimation zu tun. Ich musste unter anderem 52 verschiedene Gesichtsausdrücke machen, daraus wurde dann die Mimik des Gespensts erstellt.

Während der eigentlichen Dreharbeiten in Quedlinburg und auf Schloss Wernigerode waren Sie dann schon fertig...

Ich war nie am Set. Deswegen freue ich mich jetzt auch so darauf, den fertigen Film endlich ansehen zu können.

Viele Kinozuschauer werden Ihre Stimme von Hörbüchern kennen. Wissen Sie, wie viele Sie bislang gelesen haben?

400 vielleicht. Ich zähle das gar nicht mehr.

Können Sie sich noch an alle Geschichten erinnern?

Details könnte ich vielleicht auf Anhieb nicht mehr erzählen. Aber wenn ich die ersten drei Seiten eines Buchs wieder lese, dann bin ich auch gleich drin und weiß, wie es weitergeht.

Wie bereiten Sie sich auf eine solche Hörbuch-Lesung vor? Wie oft lesen Sie das Buch vorher?

Gar nicht.

Ehrlich?

Wirklich. Ich lese alle meine Hörbücher prima vista.

Ist das üblich? Machen das Ihre Kollegen auch so?

Nein, das machen nicht alle so (Lacht.). 80 Prozent der Kollegen machen es nicht, weil sie das so nicht können. Aber Musiker können ja auch Noten lesen, die rutschen mit den Augen durch eine Partitur und wissen sofort, wie es tönt. Ich glaube, das verhält sich bei mir ähnlich. Ich kann lesen, seit ich vier Jahre alt war.

Sie meinen, Sie hatten genug Zeit zum Üben?

Ja. Ich lese manche Hörbücher auch aus Mietegründen. Da bin ich oft wirklich nicht scharf darauf, die zweimal zu lesen.

Sie lesen oft Fantasy-Hörbücher. Gefällt Ihnen das Genre?

Ich mag das eigentlich schon. Aber eine Zeitlang war es mir beinahe zu viel, da gab es einfach so unheimlich viele Bücher davon. Irgendwann kennt man die Mathematik dieser Geschichten, wenn man sich etwas länger damit beschäftigt. Da war ich immer froh, den Text zuvor nicht gekannt zu haben. Das hält mich während des Vorlesens eher bei Laune. Ich finde das als Vorgang eigentlich auch ehrlich, das Buch vorher nicht zu kennen. Die Leute empfinden ein Buch Stück für Stück. Genauso geht es mir beim Vorlesen. Man gestaltet auch nicht übertrieben. Man ist selber gespannt, wenn es spannend wird. Ich komme ins Studio, dort liegt mein Manuskript. Dann geht es los.

Aber es dauert länger, oder? Sie müssen sich doch gelegentlich korrigieren.

Nein, ich bin eher schneller. Ich habe heute im Gespräch mit meiner Mutter festgestellt, dass ich schneller lese als meine Mama. Sie erzählte, was sie als nächstes Buch lesen würde. Und das wären 400 Seiten, aber ganz klein geschrieben. Da habe ich ihr gesagt, wie ich es mir immer einteile. 25 Seiten, dann gehe ich eine rauchen. So schaffe ich dann meine 100 Seiten am Tag. Da war sie ganz entsetzt: Nein, 100 Seite am Tag, das würde sie nicht schaffen. Ich kriege das immer hin. Zur Freude meiner Arbeitgeber (Grinst.).

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

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