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Anne Consigny

Anne Consigny über die Komödie „Triff die Elisabeths!“

Schon ihre erste große Kinorolle in „Man muss mich nicht lieben“ brachte der renommierten Theaterschauspielerin Anne Consigny eine César-Nominierung ein.

Nach einer weiteren Hauptrolle in „Schmetterling und Taucherglocke“ war sie zuletzt in „John Rabe“ als idealistische Direktorin eines Mädchengymnasiums zu sehen. Beim Filmfestival von Marrakesch sprachen wir mit der quirligen 46-Jährigen über Lucien Jean-Baptistes französischen Kinohit „Triff die Elisabeths!“, der an Silvester bei uns anläuft. Darin spielt sie die geplagte Gattin eines karibischen Taugenichts, der seinen drei Kindern vollmundig einen Skiurlaub verspricht, obwohl die Familie völlig pleite ist.

Wie kommen Sie als „seriöse“ Charakterdarstellerin zu einer so unbeschwerten Komödie?

Ich hatte Glück. Ich traf den Autor, Regisseur und Schauspieler Lucien Jean-Baptiste bei den Dreharbeiten zu einer TV-Serie: Da verkörperte ich die französische Staatspräsidentin, und er sollte einen alten Freund von mir darstellen. Aber ich spielte die Szenen mit ihm so intim und vertraut, als wäre er mein Ex-Liebhaber gewesen. Das gefiel ihm offenbar so gut, dass er mich unbedingt als seine Ehefrau in „Triff die Elisabeths!“ besetzen wollte. Mein Agent riet mir ab, doch ich sagte zu: Ich denke, gerade in schweren Zeiten sehnen wir uns nach leichter Unterhaltung.

Stimmt es, dass der Film autobiografisch angehaucht ist?

Ja. Luciens alleinerziehende Mutter ist in den 80er-Jahren einmal mit ihm und seinen fünf Geschwistern zum Skifahren ins Gebirge aufgebrochen. Als bettelarme Schwarze einen Skiurlaub zu planen – das war ungefähr so, als hätte sie beschlossen, eine Reise zum Mond zu unternehmen. Lucien hat erzählt, dass er viel von seiner Mutter in meine Filmfigur gesteckt hat: Sie packt an, schmeißt den Haushalt alleine, zieht die Kinder groß und schafft auch noch das Geld ran.

Lucien Jean-Baptiste hat vom Drehbuch über die Regie bis zur Hauptrolle alles selbst übernommen...

Ja, aber er hat das Buch zusammen mit einem Coach geschrieben, dabei stets auf den guten Rat von Freunden gehört und auch uns andere Darsteller mit ins Boot genommen. Das ist eine Arbeitsweise, die ich sehr mag. Ähnliches habe ich auch mit Regisseur Julian Schnabel bei „Schmetterling und Taucherglocke“ erlebt.

Das wundert mich. Julian Schnabel gilt doch eher als arrogant und schwierig im Umgang.

Stimmt. Aber an mir hatte er irgendwie einen Narren gefressen. Wenn er sich gegenüber jemand anderem wie ein A... aufführte, sagte ich zu ihm: „So kannst du doch nicht mit Leuten umgehen!“ Dann meinte er jedes Mal: „Du hast Recht. Ich werde versuchen, mich zu bessern!“

Ich nehme an, dass es bei den Dreharbeiten zu „John Rabe“ nicht zu derartigen Szenen kam.

Regisseur Florian Gallenberger ist die Liebenswürdigkeit in Person. Das Gleiche gilt für Ulrich Tukur und Daniel Brühl. Sobald ich in der Nähe war, haben die drei beispielsweise kein deutsches Wort mehr geredet, sondern mir zuliebe auf Englisch umgeschaltet. Abgesehen davon kann man mit ihnen wunderbar lachen. Ich hatte noch nie so viel Spaß am Set wie bei „John Rabe“.

Trotz des ernsten Themas?

Wegen dieses Themas und wegen seiner Botschaft halte ich „John Rabe“ übrigens für meinen bisher wichtigsten Film. Seither frage ich mich ständig, ob ich mich selbst in Extremsituationen wie eine Heldin oder wie ein Feigling verhalten würde.

Und zu welchem Schluss sind Sie gekommen?

Ich habe keine Ahnung. So etwas weiß man nie vorher. Ich kann nur sagen: Ich wünschte, ich wäre eine Heldin! (lacht)

War Ihr Berufswunsch eine Art Rebellion gegen Ihre Eltern?

Nein, aber eine Rebellion gegen meine Herkunft, für die ich mich immer geschämt habe. Schon als Kind habe ich die Bourgeoisie gehasst. Ich wollte Schauspielerin werden, solange ich denken kann – und habe meine Mutter so lange genervt, bis sie mich zu meinem ersten Vorsprechen mitnahm. So stand ich auf der Bühne, seit ich neun war. Zum Glück haben meine Eltern das erlaubt. Mein Bruder, der denselben Lebenstraum hatte wie ich, wurde hingegen gedrängt, in die Fußstapfen unseres Vaters zu treten.

Haben Sie heute noch Träume?

Aber ja! Vor allem würde ich wahnsinnig gern in englischsprachigen Filmen spielen. Dafür gehe ich seit einiger Zeit drei Mal pro Woche zum Sprachkurs. Englisch klingt in meinen Ohren viel schöner als Französisch. Und ich finde, die Engländer haben auch viel bessere Schauspieler als wir. Mein ältester Sohn lacht mich schon aus: „Mama, deine Fremdsprachenkenntnisse sind so hundsmiserabel, du machst dich nur lächerlich!“ Er hat gut reden – er spricht nämlich fast akzentfrei Englisch, der Sack!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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