Anrüchige Landschaften

- Da weht ein Duft nach sonnenwarmen Heu, staubigen Straßen oder regennassen Felsen vorbei, und urplötzlich ist sie da, die Ahnung von Sommer und Urlaub in den Bergen. Jeder kennt solche Düfte, die spontane Erinnerungen und Emotionen wecken. Das liegt an den rund 30 Millionen Riechzellen des Menschen, die Reize ohne Umwege direkt in das Stammhirn leiten. Was bedeutet, dass sich der überwiegende Teil der Geruchsempfindungen auf unbewusster Ebene abspielt.

<P class=MsoNormal>Dieses Phänomens hat sich das Münchner Alpine Museum des Deutschen Alpen-Vereins (DAV) nun auf besonders originelle und im buchstäblichen Sinne "anrüchige" Weise angenommen: Die Ausstellung "Mit der Nase in die Berge. Alpine Duftgeschichte(n)" vereint nicht weniger als 50 typische Duftnoten der guten Bergluft. "Es gibt eigentlich keine Kulturgeschichte der Düfte. Auf diesem Gebiet haben wir Pionierarbeit geleistet", sagt Kurator Beat Gugger, der das Ausstellungskonzept aus der Schweiz importierte. Nicht ohne einige Änderungen vorzunehmen, denn tatsächlich duften die Schweizer Berge anders als die bayerischen.</P><P class=MsoNormal>Das Ergebnis seiner Arbeit kann sich riechen lassen. Wird auf dem Infotainmentsektor viel Kurioses angeboten, so ist dieser Schnupperkurs doch neu. Die Reagenzgläser mit den Duftessenzen, um reichlich Bildmaterial und viele Objekte ergänzt, stehen im Mittelpunkt des Interesses. Man nehme ungeniert eine tiefe Nase, und schon befindet man sich auf einer Alpenwanderung, in einer überfüllten Almhütte oder auf einem einsamen Bergbauernhof. Zu den betörendsten Wohlgerüchen der Schau gehören sicher das natürliche Parfüm des Männertreus, einer Bergblume, mit feiner Kakao- und Vanillenote, Walderdbeere oder Alpenveilchen. Empfindsame Gemüter seien gewarnt vor den Ausdünstungen der Wildtierlosungen, des Ziegenbocks oder der nassen Bergwanderersocken.</P><P class=MsoNormal>Bevor man also das nächste Mal zu Omas Eau de Cologne oder Chanel Nummer Fünf greift: Wie wäre es da mit der Note "Bergbahnschmiere" oder "Lärchenwald im Herbst"?</P>

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