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Dieser Film wirbelt Staub auf: Szene mit Lars Eidinger.

VOR DEM KINOSTART

Apokalypse in Niederbayern

Kochlehen - In einem Dorf bei Pfarrkirchen dreht Jung-Regisseur Tim Fehlbaum den Thriller „Das Ende der Nacht“. Das Konzept des Filmes setzt auf Spannung statt Action.

„Staub, Staub, Staub“ verspricht der Mitarbeiter der Filmcrew von „Das Ende der Nacht“ schon während der Fahrt zum Drehort und facht die Spannung mit beiläufigen Sätzen wie „heute wird es am Set heiß hergehen“ zusätzlich an. Schwer zu glauben, handelt es sich doch um einen Endzeit-Thriller, der nicht an einem exotischen Ort entsteht, sondern mitten in Niederbayern, zwischen Passau und Pfarrkirchen.

Und das ohne horrendes Budget und Promi- Regisseur, dafür mit dem 28-jährigen Filmemacher Tim Fehlbaum, der vor kurzem noch an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München studierte, nun sein Langfilmdebüt gibt und dabei mit Schauspielern wie Hannah Herzsprung, Stipe Erceg, Angelika Winkler und Lars Eidinger arbeitet.

Spannung statt Action

Klingt alles recht ungewöhnlich für einen apokalyptischen Thriller. Aber die Münchner Produktionsfirma Caligari Film und Paramount Pictures Germany verfolgen einen anderen Ansatz: Sie wollen Spannung statt Action, Ästhetik statt Explosionen. Es ist das erste deutsche Projekt von Paramount Pictures und kommt voraussichtlich im Frühjahr 2011 in die Kinos.

„Die Idee ist vor drei Jahren entstanden, schon damals wollten wir einen kleinen, überschaubaren Film machen“, sagt Produzent Thomas Wöbke über sein Werk „Das Ende der Nacht“, das Hollywood-Regisseur Roland Emmerich als Executive Producer unterstützt. Regisseur Fehlbaum empfahl sich mit seinen preisgekrönten Kurzfilmen. Wöbke: „Tim schafft Spannung ohne große Spezialeffekte. Es ist sein Realismus, der mich fasziniert.“ Der Film handelt von einer Dürreperiode, die das ganze Land austrocknet.

Um zu überleben, suchen die Menschen nach Wasser in den Bergen, was auch die Drehortwahl erklärt: „Der Film sollte zum einen in Bayern spielen, weil wir einen deutschen Film machen wollten und zum anderen, weil sich die Alpen natürlich anboten“, erklärt der Produzent. „Aber es ist kein Heimatfilm. Auch mit Spezialeffekten sind wir sparsam umgegangen.“ Sein Basislager hat das gut 40-köpfige Team auf einem Bauernhof im kleinen Kochlehen, zehn Kilometer von Pfarrkirchen entfernt, aufgeschlagen. Viel los ist hier nicht, von Staub oder Weltuntergang ist nichts zu spüren, eher von Schweinen. Auf einer Bierbank sitzt ein großgewachsener Mann, verdreckt und mit zerrissener Kleidung.

Endzeitatmosphäre in Niederbayern

Man muss schon genau hinschauen, um Stipe Erceg zu erkennen, während er bei einem Kaffee den Drehplan studiert. „Das Ende der Nacht“ spielt viel unter freiem Himmel, weshalb das Team für einige Wochen zum Drehen auch nach Korsika reiste, wo ein ausgebrannter Wald optimale Bedingungen bot. In Bayern, wo 27 der knapp 50 Drehtage angesetzt sind, musste für die endzeitliche Atmosphäre nachgeholfen werden: Inmitten von Wiesen erheben sich die bedauernswerten Überreste eines Bauernhofes. Es gibt tote Bäume, leblose Sträucher sowie ein beachtliches Stück Feld, das für die Dreharbeiten ausgedörrt wurde: „Wir haben lange nach dem richtigen Bauernhof gesucht, tote Bäume aufgestellt und diese mit Kreidespray patiniert. Aber keine Sorge, alles ist biologisch abbaubar“, beruhigt Produzent Wöbke.

Für Staub sorgen Windmaschinen, die bis zum Ende des Drehs fünf Tonnen Material verblasen werden. Eine Szene mit einer Menschenjagd steht an. Schauspieler und Crew warten schwitzend bei über 33 Grad und mit Schutzmasken ausgestattet auf das Kommando des Regisseurs. Auf „Staub ab!“ setzt sich alles in Bewegung.

Hannah Herzsprung und Stipe Erceg flüchten aufs Feld, verfolgt von Männern mit Spitzhacken, während alles durch Unmengen von Staub eingehüllt und vom höllischen Lärm der Maschinen begleitet wird. Nach 15 Sekunden ist alles vorbei. In der Mittagspause setzen sich die skurrilen Szenen fort: Ausgehungerte, verdreckte Endzeitgestalten verputzen im Basislager genüsslich Schnitzel mit Kartoffelsalat, während sich der Besitzer des Hofs etwas abseits ein Weißbier gönnt. Die Idylle ist Regisseur Fehlbaum ganz recht: „Wir können und wollen uns nicht mit großen Endzeitfilmen messen.

Unser Film baut auf Spannung, Realismus und den Schicksalen von drei, vier Charakteren. Ich hoffe, dass er aus diesem Grund heraussticht.“ So sieht es auch Hanna Herzsprung, beim Mittagessen von Staub und Make-up bedeckt: „Das Budget hat mich nicht interessiert, sondern der Regisseur.“ Auch Stipe Erceg gefiel das Projekt auf Anhieb: „Ein ähnliches Drehbuch habe ich noch nie gelesen. Die Rolle ist anstrengend, aber ich bin in einer guten körperlichen Verfassung.“

Am Ende präsentiert Wöbke noch die fertige erste Szene des Films auf seinem Laptop. Sollte der Rest genauso beeindrucken, wird „Das Ende der Nacht“ sicher nicht nur in Niederbayern viel Staub aufwirbeln.

BARNABAS SZÖCS

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