Appetit aufs große Mahl

- Gegessen wird immer, mal mehr, mal weniger gut. Das Leben ein Fest. Ein Festessen. "Tischgesellschaften" heißt die Ausstellung, die derzeit in der Salzburger Residenz die Besucher anlockt und Lust macht aufs große Mahl.

<P>Die Tischgesellschaft als eine Grundform des menschlichen Miteinanders ist seit jeher ein Motiv der bildenden Kunst. Und so begibt man sich in Salzburg auf einen Streifzug durch die letzten fünf Jahrhunderte. Hier ist viel zu erfahren über Sitten und Gebräuche, feine Manieren, mit Essen und Trinken verbundene Intimitäten und über den bemerkenswerten politischen Stellenwert größerer oder kleiner Tafelrunden. Gemälde der unterschiedlichsten Gattungen sind in dieser Schau vertreten: vom Historienbild bis zur Momentaufnahme privaten Familienglücks, von biblischen Ereignisse bis zu sinnenfrohen Festen.</P><P>Immer steht der Tisch als inhaltlich und kompositorisch wichtiger Bestandteil im Zentrum. Meist bezieht er den Betrachter in die dargestellte Szene ein; er kann aber genauso auch als Barriere dienen, was deutlich erkennbar ist auf den Kupferstichen zur Erbhuldigung der österreichischen Krone: einem Festmahl anlässlich der Regentschaft eines neuen Landesherren oder einer neuen Landesherrin, auf dem die einzelnen Stände ihre Treue und Gehorsamspflicht darbringen. Ein symbolischer Akt mit strengem Zeremoniell, eine Demonstration von Legalität, Macht und Glanz.</P><P>Des Kaisers Mundzeug</P><P>So erzählt beispielsweise die Huldigungfstafel für Maria Theresia mehr über den Absolutismus an europäischen Höfen als manch trockenes Geschichtsbuch. Als sie 23-jährig 1740 als Erzherzogin von Österreich antrat, ist ein neuer Aspekt der Huldigung erkennbar. Auf dem Kupferstich deutlich hervorgehoben: erstmals die große Gruppe von Hofdamen. Aber auch der Erb-Vorschneider, platziert unmittelbar vor der mit Speisen und zwei Aufsätzen versehenen Tafel.</P><P>Sind bei diesen, mit höchster Präzision ausgeführten Kupferstichen unzählige Details ausfindig zu machen, führen die Gemälde meist in biedermeierliches Idyll oder impressionistisches Milieu. Salzburg-Liebhaber können sich freuen über eine Ansicht vom Kiosk des Café´ Tomaselli oder über die trauliche Szene "Damen im Café´ Bazar" von Theodor Josef Ethofer, entstanden 1908.</P><P>Aus etwa gleicher Zeit stammt das künstlerisch weit qualitätsvollere Werk von Josef Engelhart, "Im Sophiensaal". Der Bildnis- und Genremaler aus Wien, der seine Studien an der Münchner Akademie absolvierte, ist bekannt für seine Szenen aus dem Wiener Volksleben. In herausfordernder Pose stützt sich das dralle Mädchen auf den Tisch und gestattet dem fetten Kavalier Einblick ins schöne Dekolleté´. Da mischen sich Sinnlichkeit und Protz zu einer prickelnden, erotisch aufgeladenen Situation. Champagner, Orangen, Süßigkeiten _ bei dieser Tischgesellschaft ist etwas zu holen. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.</P><P>Ergänzt werden die Gemälde durch eine kleine, aber feine Präsentation von Preziosen. Zum Beispiel eine Bratenschüssel des so genannten Wiener Kongressservices, das aus vergoldetem Porzellan bestand. Oder eine Kaiserserviette, eine Mundspülgarnitur, ein Manövergeschirr. Besonderes Interesse dürfte das persönliche Mundzeug von Kaiser Franz II. wecken: ein Etui mit goldenem Essbesteck aus dem 18. Jahrhundert. Bis ins zweite Drittel des 18. Jahrhunderts gab's nämlich keine geschlossenen Essbestecke.</P><P>Die Tafelgäste nahmen sich ihr "Werkzeug" in einem Behälter selbst mit. Dass beim Kaiser dazu bereits eine Gabel gehörte, die bislang verpönt und von der Kirche gar lange Zeit verboten war, ist geradezu ein Ausdruck von Modernität. Insgesamt eine Schau, die Appetit macht.</P><P>Bis 7. September; bis 31. 8. tgl. 10-17 Uhr, ab 1. 9. tgl. a. mo.; Katalog: 17 Euro. Tel. 0043/ 662/ 840 451 11.</P>

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