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Sitzt da irgendwo eine Riesen-Rapunzel in der Kunstakademie und lässt ihren Zopf hernieder? Die Arbeit von Stefanie Brehm.

So arbeiten die Kunst-Stars von morgen

München - Einladung zur Entdeckungsreise: Studenten der Münchner Kunst-Akademie gestalteten ihre Jahresausstellung.

Zumindest Dana Lürken weiß, wie der Hase läuft: Auf der Grünfläche vor der Akademie hat die Kunst-Studentin aus Blumen die Riesen-Inschrift „TAKE ME“ gepflanzt. Und drinnen, im Atelier der Klasse Jetelová, wo Dana Lürken studiert, steht an der Wand „HYPE ME“. Zigtausende Zündhölzer, deren rote Köpfchen dem Betrachter brandgefährlich entgegenleuchten, formen die Buchstaben dieses Werbe-Menetekels. Klar, dass man sofort Feuer und Flamme ist für die ironische Selbstvermarktungsstrategie der jungen Künstlerin, die mit ihrer Arbeit den Kunstbetrieb als Showbusiness entlarvt. Wahrscheinlich ist es nur ein PR-Gag, der zum Konzept gehört, wenn Dana Lürken verkündet, sie wolle ihre Streichholzschrift vor Publikum abfackeln zum Ende der Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste.

Bei dieser Leistungsschau der Kunststudenten kann man auch heuer wieder einen anregenden Blick hinter die Kulissen werfen und beim Streifzug durch die offenen Ateliers Akademie-Luft schnuppern. Neben vielen sehr talentierten Experimenten sind dabei auch im Wortsinne herausragende Werke zu entdecken. So etwa der – feuerpolizeilich unbedenkliche – Rapunzelzopf aus unbrennbarer weißer Kunststoff-Folie, der monströs an der Fassade der Akademie herunterhängt. Ob uns die Studentin Stefanie Brehm damit sagen will, dass die Münchner Kunsthochschule verzopft ist?

Wohl eher nicht, denn rebellische Statements sind derzeit nicht angesagt in den ordentlich aufgeräumten Ateliers und Fluren, wo vor Jahren noch das anarchisch-kreative Chaos regierte. Wenn es Tendenzen beim Nachwuchs auszumachen gibt, dann einerseits die Hinwendung zur Malerei, die etwa in der Klasse von Anke Doberauer gepflegt wird – mal abstrakt, mal gegenständlich, aber immer süffig.

Andererseits fallen die witzigen Dada-Bastler auf, die skurrile oder kühne Apparate bauen. So wie Matthias Wurm (Klasse Prangenberg), der eine „Malmaschine“ aus vier kreisenden Farb-Spritzpistolen konstruierte. Schwindelerregend und anrührend verletzlich zugleich wirkt Madeleine Schollerers Installation „Paternoster“ im Treppenhaus: Der Filmstreifen, der durch einen Projektor im Keller surrt, läuft über eine Rolle, die vierzig Meter höher im Dachgeschoss des Gebäudes angebracht ist.

Hoch hinaus will aber erkennbar auch Gerald Kukla (Klasse Res Ingold). Der Nachwuchskünstler, der in seinen Arbeiten Männlichkeitsposen zum Thema macht, hat im Garten der Akademie ein wuchtiges „Katapult“ aufgebaut: Wer sich auf die Wurfmaschine stellt und das gespannte Seil durchschneidet, wird auf das Dach der Akademie geschleudert – behauptet zumindest der Schöpfer dieser Himmelfahrts-Konstruktion und bemüht sich so angestrengt wie erfolglos, den Eindruck von Ironie zu vermeiden.

Aber neben solch spektakulären Werken gibt es noch eine Fülle interessanter, oft erstaunlich professioneller Arbeiten zu entdecken, so dass man bei einem Rundgang etliche Stunden in der Akademie verbringen kann. Immer vorausgesetzt, dass Dana Lürken, das Kunst-Mädchen mit den Schwefelhölzern, das Gebäude nicht doch versehentlich abfackelt...

Bis 26. Juli, Akademiestraße 2-4, täglich 12 bis 20 Uhr; Eintritt frei.

von Alexander Altmann

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