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Rupert Gebhard ist Spezialist für Vorgeschichte, kann es aber auch wie hier mit den Römern, die in Bayern daheim waren.

Archäologische Staatssammlung: Am Ursprung der Hochkulturen

München - Der neue Museums-Chef Rupert Gebhard über seine Pläne, die dringend nötige Generalsanierung und die 125-Jahr-Feier der Archäologischen Staatssammlung.

Rupert Gebhard, 1961 in München geboren, hat am Montag die Chefstelle der Archäologischen Staatssammlung am Englischen Garten übernommen. Das Museum erzählt von der Vor- und Frühgeschichte Bayerns. Steinzeitmenschen sind dort genauso daheim wie frühmittelalterliche Bayern.

Der neue Direktor kennt das Haus, denn er war bisher Stellvertreter seines Vorgängers Ludwig Wamser, war Leiter der Vorgeschichtsabteilung und der Restaurierungswerkstätten, darüber hinaus lehrt er an der Münchner Universität. Er konzipierte das „Vorgeschichtsmuseum Landau an der Isar“ und das „kelten und römer museum manching“.

-Sie wissen seit langem um die Abläufe in der Institution an der Lerchenfeldstraße. Wo liegen die Stärken?

Es ist ein Vorteil, wenn man alle und alles kennt – bis in die Tiefen des Kellers. Da weiß man, was in den nächsten fünf Jahren zu geschehen hat. Die Stärke liegt in unserer wunderbaren Sammlung, die Ihresgleichen in Deutschland sucht. Heuer feiern wir das 125-Jahre-Jubiläum des jüngeren Teils der Sammlung. Der ältere Abschnitt stammt aus dem Bestand des Bayerischen Nationalmuseums und ist uns in den 30er-Jahren überwiesen worden. Da sind Funde aus dem 15. Jahrhundert dabei. Dazu gehört auch unser großes römisches Mosaik, das vor rund 150 Jahren in Westerhofen (nördlich von Ingolstadt, Anm. d. Red.) ausgegraben wurde.

-Wie umfangreich ist die Sammlung?

Das sind Millionen von Objekten. Diese Sammlung erlaubt, kontinuierlich zu forschen; wir können die Gegenstände mit den jeweils neuesten Methoden der Wissenschaft und der Verfeinerung der Restaurierung immer weiter erschließen. Unser größter Fundkomplex ist die Scherben-Sammlung, die für das Publikum weniger spannend ist. Aber wir verwahren sie und stellen sie den Universitäten zur Verfügung. Die Scherben sind die Basisurkunden, an denen Forschung betrieben wird.

-Wie treffen Sie und Ihr Team aus dem Bestand eine Auswahl für Wechselausstellungen?

Die sind unser zweites Standbein. Wir haben viel Erfahrung damit, denn wir versorgen mit unseren elf Zweigmuseen Bayern flächendeckend mit Archäologie. Bei Sonderausstellungen begibt man sich in die Sammlung und schaut, wie man ein Thema augenfällig präsentieren, wie man den Besuchern eine Geschichte gut erzählen kann. Was man noch dazuleihen muss. Wir zeigen Gesellschaftsgeschichte: über das Leben von Menschen, an die es eben keine Erinnerung mehr gibt.

-Nun zu den Schwächen des Hauses und Ihrem „Fünf-Jahres-Plan“.

Da hier viele Wissenschaftler arbeiten, stehen wir insofern sehr gut da, aber das soll noch besser werden. Forschung ist die Basis dessen, was wir den Besuchern nahebringen wollen. Eine große Notwendigkeit ist, die Depots in den Griff zu bekommen. Wir haben riesige Fundmassen vom Landesamt für Denkmalpflege bekommen, weil dort Depotflächen geschlossen werden mussten. Wir sind bei einer fast 100-prozentigen Auslastung angelangt, und es werden täglich mehr Funde. Entweder wir brauchen einen Umbau, oder es wird ein großes staatliches Zentraldepot errichtet. Die „lebende“ Sammlung bleibt bei uns – fürs Museum. Haupt- und Lagerhaus sind Sanierungsfälle. Die Elektrik ist veraltet. Die Klimaanlage funktioniert nicht mehr. Die Wärmedämmung ist so schlecht, dass wir im vergangenen Jahr ein Defizit bei den Betriebskosten von 75 000 Euro hatten. Das müssen wir über Einnahmen decken. So ein Zustand lähmt den Betrieb. Darüber hinaus müssen wir die Dauerausstellung innerhalb von zwei Jahren wiederherstellen (Die Abteilung „Frühes Mittelalter“ ist geschlossen; „Römerzeit“ bietet nur einige Vitrinen; Anm. d. Red.). Wir wollen schließlich unsere Sammlung zeigen können.

-Wie stehen die Chancen für die Sanierung in Zeiten der Finanzkrise?

Das hängt davon ab, wie stark Bayern sich mit dem Museum identifiziert. Die Kosten werden auf zehn Millionen Euro geschätzt. Wir sind das Landesmuseum für Archäologie für Bayern. Wir sind wichtig für die Schulen und für die breite Bevölkerung, die wissen will, wo ihre Steuergelder für die Archäologie hingehen. Das zeigt jetzt zum Beispiel die aktuelle Schau „Karfunkelstein und Seide“ über Unterhachinger Funde. Das Gleiche gilt für unsere Zweigmuseen. Deren Ausstellungen sind zum Teil 20 bis 25 Jahre alt. Aber es ist kein Geld da, um alle zu sanieren.

-Es sind die Wechselausstellungen, die immer wieder das Besucherinteresse anfachen. Sie haben aber nur eine winzige Fläche, um solche Projekte zu verwirklichen.

Es ist beengt. Wir überlegen ein neues Raumkonzept, zum Beispiel die Dauerschau zu verkleinern, um mehr Platz für Sonderausstellungen zu bekommen.

-Und welche sind demnächst geplant?

Wir feiern heuer das 125-Jahre-Jubiläum – wenn wir es finanzieren können. Wir wollen unsere 125 wichtigsten Objekte zeigen und eine Publikation herausbringen. 2011 machen wir zusammen mit dem Museum Castello del Buonconsiglio von Trento die Schau „Im Licht des Südens – Begegnungen zwischen Mittelmeerraum und Nordeuropa“. Es geht um einen Marktplatz von Waren und Ideen: Wie entsteht Schrift, wie bildet sich eine Hochkultur heraus? All das Grundfragen der Frühgeschichte.

Das Gespräch führte Simone Dattenberger.

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