"Architektur des Regens" - Das Gegenteil von Puccini

München - Am liebsten wäre es ihnen, sie könnten sich selbstständig machen. Als Zwei-Personen-Team Projekte entwickeln, auf die Bühne bringen, um mit ihnen von Ort zu Ort reisen. "Wir bilden eben eine Künstlergemeinschaft im schönsten Sinne", sagt Claudia Doderer, Regisseurin und Ausstatterin. "Mit allen Schwierigkeiten und Reibungen natürlich."

Und deswegen kann auch keiner der beiden Auskunft geben, wer denn auf die Idee mit der "Architektur des Regens" kam. Doderer oder Komponist Klaus Lang, der sich hier ins japanisches Ambiente vortastet - ohne freilich einen Funken Folkloristisches zu bieten. "Es ist das Gegenteil von Puccini", lächelt der Grazer. "Es geht nicht darum, eine Liebesgeschichte zu erzählen und dann asiatische Elemente draufzupappen."

Die zweite große Biennale-Uraufführung (18. April, 20 Uhr, Carl-Orff-Saal) basiert auf einem Stück des Nô-Theaters: Ein Mann aus der Stadt begegnet auf einer Bergwanderung einem Holzfäller. Themen wie die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur werden erörtert, irgendwann entpuppt sich der Holzfäller als Gottheit der Dichtkunst. Es spielt das Münchner Ensemble TrioLog, die musikalische Leitung hat Mark Rohde.

Das Stück kreist um Gegensatzpaare wie ungezähmte Natur und geformte Kunst, was in Musik und szenischer Umsetzung zum Ausdruck kommt - deshalb auch der scheinbar widersprüchliche Titel. "Mich interessierte einerseits die klare und strenge Konstruktion der Musik mit ihren fast abgezählten Elementen einerseits und andererseits ein gewisses ungreifbares Fließen", sagt Lang. "Die Singstimmen bilden so etwas wie gerade Linien im wolkenhaften Umfeld."

Ihre Entsprechung finden diese Klänge in Claudia Doderers Konzeption, die unter anderem mit "grafischen Elementen" arbeitet: "Ich habe zarte, minimalistische Räume sehr gern." Überhaupt finde sie es "wunderschön", wenn sich "Regie zurückhält und quasi hinter das Stück tritt". Zwei größere Arbeiten von Claudia Doderer waren schon in München, und zwar am Gärtnerplatztheater zu sehen: Auch bei Mozarts "Idomeneo" und Lortzings "Undine" trat die Wiesbadenerin in doppelter Funktion als Regisseurin und Ausstatterin auf.

Vielleicht liegt in dieser Zurückhaltung auch der Grund, warum Tonschöpfer gern mit ihr zusammenarbeiten.

"Die meisten beschweren sich ja immer über das, was man mit den Stücken anstellt. Ich gehe gezielt auf Komponisten-Suche." Klaus Langs versteht seine Musik dabei - ganz der japanischen Vorlage verpflichtet - als "Angebot" an den unvoreingenommenen Hörer. Und an den Regisseur: "Szenische Vorgaben finden sich in der Partitur nicht. Gerade deshalb genieße ich ja die idealtypische Situation mit Claudia."

Vorstellungen

am 18., 20. und 21. April.

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