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Klamroth-Premiere bei „Hart aber fair“: Lässiger Louis

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Von: Stefanie Thyssen

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Neuer Moderator bei Hart aber Fair in Berlin
Louis Klamroth bei seiner Premiere im „Hart aber fair“-Studio © BREUEL-BILD/Jason Harrell

Mehr als 20 Jahre lang hat Frank Plasberg (65) „Hart aber fair“ in der ARD moderiert. Er hat das Format erfunden, geprägt und Anfang November abgegeben. Am Montag feierte Nachfolger Louis Klamroth Premiere. Sein Einstand im Check.

Das Thema

„Ein Land wird ärmer – wer zahlt die Krisenrechnung 2023?“ lautete der Titel der ersten Ausgabe mit neuem Gastgeber. Ein für den Moderator dankbares, weil wenig kontroverses Thema, weniger brisant jedenfalls als heißere Eisen wie die Silvester-Krawalle oder Lützerath.

Die Gäste

Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft – das war über Jahre das Motto von „Hart aber fair“ unter Plasberg, auch wenn es zuletzt in den Hintergrund geraten war. Klamroth machte es sich wieder zu eigen, lud den Metallarbeiter Engin Kelik ein und platzierte ihn über die gesamte Sendung hinweg in die Mitte des Tisches. Ein Statement. Und der 33-jährige Gastgeber befragte den kernigen Kelik empathisch und interessiert nach dessen Leben als Familienvater zweier Kinder mit 2300 Euro Nettoeinkommen im Monat. „Wie war Weihnachten für Sie?“, „Was ist das für ein Gefühl für einen Vater, wenn sich die Kinder etwas wünschen und Sie können die Wünsche nicht erfüllen?“ Mit SPD-Chef Lars Klingbeil und CDU-Mann Jens Spahn waren außerdem zwei Politiker eingeladen, dazu die „Wirtschaftsweisin“ (Klamroth) Monika Schnitzer sowie „Spiegel“-Journalistin Melanie Amann als Expertinnen. Heftige Wortwechsel kamen nicht zustande – abgesehen von wenigen, fast bemüht wirkenden Kabbeleien zwischen Klingbeil und Spahn („Stimmt nicht“ – „Stimmt doch!“). Nur einmal musste Klamroth härter durchgreifen, als sich Spahn in Rage redete. Da verließ der Moderator seinen Platz am Pult, bäumte sich vor dem einstigen Gesundheitsminister auf – „Herr Spahn! Herr Spahn! Herr Spahn!“ – und wirkte wie Plasberg 2.0, der mit identischer Geste auch ab und an für Ruhe in der Runde sorgen musste.

Der neue Moderator

Plasberg 2.0 – dass Louis Klamroth nicht nur in dieser Szene an seinen Vorgänger erinnerte, war die größte Überraschung des Abends. Die Sorge (durchaus auch hinter den Kulissen der Sendung) war, dass Klamroth allzu forsch durch den Abend führen könnte. So hatte er es zuletzt in den ProSieben-Sendungen zur Bundestagswahl gemacht, wo er seine Gesprächspartner immerzu auf unangenehmste Weise unterbrach. Am Montag wirkte er ruhig, besonnen und streckenweise arg brav.

Am Kern der Sendung – von den Einspielfilmen über die Kulisse bis hin zum Faktencheck und Co-Moderatorin Brigitte Büscher – hat sich sowieso nichts verändert. Man wollte die Stamm-Zuschauer ganz offensichtlich nicht verschrecken. Nur einmal entfuhr Klamroth ein herzhaftes Schimpfwort, als er von Lars Klingbeil wissen wollte, ob der sich nicht angesichts der Regierungsarbeit manchmal denke: „Scheiße, wir machen doch schon so viel.“ Ansonsten? Lässiger Louis! Von Nervosität keine Spur. Top vorbereitet, sicheres Auftreten, klare Struktur, klarer Plan. Eine Premiere ohne Pannen.

Reaktionen und Quote

Kollegin Caren Miosga war die Erste, die gratulierte. Bei der Überleitung zu den „Tagesthemen“ um 22.15 Uhr beglückwünschte sie „Louis“ zur „gelungenen Premiere“, was mit viel Applaus aus dem Studio quittiert wurde. Da konnte dann auch der 33-Jährige zum ersten Mal entspannt lächeln. Die Kritik bescheinigt dem Moderator fast durchweg einen souveränen Einstand. Bei Twitter ging es eher böse zu. „Ist es #hartaberfair, den neuen Moderator wegen seiner berufsjugendlichen Flapsigkeit und offen zur Schau gestellten Unbildung als Fehlbesetzung zu bezeichnen?“, war hier etwa ein Kommentar. 2,42 Millionen Zuschauer schalteten ein. Frank Plasberg (lesen Sie hier unser Abschieds-Interview) hatte im vergangenen Jahr im Schnitt 2,6 Millionen Zuschauer.

Fazit und Ausblick

Die Premiere ist geglückt, daran gibt es nichts zu rütteln. Spannend wird, ob Klamroth in den nächsten Ausgaben ein bisschen mehr Biss entwickelt, was seiner Persönlichkeit entsprechen würde. Und vor allem, wie er sich schlägt, wenn es um Klimathemen geht. Er ist, wie berichtet, der Lebenspartner von Luisa Neubauer, Deutschlands Aktivistin Nummer eins. Eine Sendung zu ihrem Leib- und Magenthema (Lützerath etwa) dürfte die echte Bewährungsprobe für den neuen Mann bei „Hart aber fair“ sein.

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