Arktischer Vogelgesang

- Gezwitscher von arktischen Vögeln aus dem Lautsprecher, darunter mischen sich einzelne Bläserstimmen quäkend, pfeifend, imitierend. "Cantus arcticus" heißt das ungewöhnliche Werk des Finnen Einojuhani Rautavaara (geboren 1928), das am Anfang des Konzerts der Münchner Philharmoniker unter Leitung von Osmo Vänska stand (Gasteig). Die Vogelstimmen waren Originalaufnahmen aus dem Norden Finnlands, die der Komponist selbst gemacht und elektronisch bearbeitet hat.

Das Zwitschern begleitete das ganze Werk, tauchte manchmal im Orchesterklang unter und besonders an den Pianostellen wieder auf. Man konnte sich die Vögel fast am Meer vorstellen, das Sibelius mit den "Okeaniden" beschreibt. Vänska ließ das Wasser in weiten molligen Bögen heranrollen, deren Fundament die Bassklarinette setzte. In chromatischen Steigerungen spielten die Streicher auf den Höhepunkt zu, der sich in weichen Oboenklängen auflöste.<BR><BR>Ganz anders die Symphonie Nr. 7 von Sibelius, hier stellten die Philharmoniker wundervoll durchhörbare Akkorde in großen Bögen in den Raum. Humoreske Bläsermelodien fügten sich keck in den homogenen Gesamtklang ein. Bewegung entstand vor allem bei den Streichern, deren repetitive Melodien sich zäh wie Kaugummi zogen und schließlich in schmerzlich-schöne Klänge übergingen. Vänska gestaltete die Komposition, deren Teile in nur einem Satz gefasst sind, als dichtes Ganzes aus einem Guss.<BR><BR>Inmitten all dieser musikalischen Landschaften aus Finnland stand das Konzert für Violine und Orchester von Peter Tschaikowsky. Solist war Joshua Bell. Der Amerikaner startete mit seiner Stradivari langsam ins Werk und gab dem dezidiert vorangegangenen Orchester einen romantisch-schwelgerischen Gegenpart mit geschmeidigem Wechsel zwischen Forte und Piano. Sein Spiel war zierlich und virtuos, die Dominanz, die der Solopart bei diesem Konzert über das Orchester hat, erreichte er wegen der schwierigen akustischen Verhältnisse nicht. Dem lyrischen Mittelsatz, in dem die Bläserbegleitung glänzte, setzte er ein furioses Finale entgegen, dessen Läufe er wie Schnellzüge aus dem Nichts heranrauschen ließ. <BR>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
München - Wer das Wort „fantastisch“ im Namen führt und auszieht, sein Best-of unters Volk zu bringen, der hängt die Messlatte hoch. Die Fantastischen Vier erfüllen den …
Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Mit fantastischen Grüßen
Im Reich von Mode und Magie
Zürich - Spätestens seit dem Terroristen-Epos „Carlos“ ist der französische Filmemacher Olivier Assayas auch deutschen Kinofans ein Begriff. Sein preisgekröntes Drama …
Im Reich von Mode und Magie
Mordmotor mit Unwucht
Andreas Kriegenburg inszenierte William Shakespeares „Macbeth“ fürs Münchner Residenztheater
Mordmotor mit Unwucht
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
München - Hansi Kraus ist der ewige Lausbub - auch, weil er diesen in Ludwig Thomas Lausbubengeschichten verkörpert. Im Interview spricht Kraus auch über die …
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“

Kommentare