Zum Tod von Armin Eichholz: Im Hintergrund immer das große Lachen

- Er war eine Münchner Instanz: als Theaterkritiker, Satiriker, Autor ­ und nicht zuletzt als Redakteur und langjähriger Kulturchef dieser Zeitung. Wie erst gestern bekannt wurde, istArmin Eichholz am 27. Dezember, wenige Tage nach seinem 93. Geburtstag, in Rottach-Egern an Herzversagen gestorben.

Es geschah im Weihnachtsurlaub, den Armin Eichholz und seine Frau am Tegernsee verbrachten. Zu Hause war der weit über München hinaus bekannte Theaterkritiker und Autor seit Jahrzehnten in München.

"Die Halunken haben mich wieder so verbrecherisch zusammengestrichen", sagte der alte Herr manchmal, wenn er sich gerade wieder spitzbübisch ärgern musste darüber, dass die Redaktion der Zeitung "Die Welt" eine Kritik von ihm ­ sei es von den Salzburger Festspielen oder aus einem der Münchner Theater ­ gravierend gekürzt hatte. Armin Eichholz, der vor über fünfzig Jahren in die Redaktion des Münchner Merkur eintrat, hörte auch, nachdem er in den offiziellen Ruhestand ging, nicht auf zu schreiben. In den Genuss seines unerschöpflichen Witzes, seiner hohen Beobachtungs- und Urteilsfähigkeit, seiner großen Bildung, mit der er nie angeberisch protzte ­ in diesen Genuss kamen von nun an die Feuilletonleser der "Welt". Aber bis in die 80er-Jahre adelten seine Rezensionen den Kulturteil dieser Zeitung und trugen maßgeblich zu ihrem Renommee bei.

"Die unter dem Zeitdruck eines Vormittags geschriebenen Kritiken . . . sollen vor allem als Anschauungsmaterial dienen, womöglich selbst den Theaterfeind unterhalten. Wunschziel: die Premiere für den Nach-Leser, ein Fünfzehn-Minuten-Theater in Prosa." So formulierte Eichholz seinen Anspruch an sich selbst. Und: "Wenn ungewöhnlich viele Schauspieler auch in kleineren Rollen angesprochen sind, so steckt dahinter eine Art Trotzreaktion: Wo täglich in anderen Sparten anerkannt belanglose Vorkommnisse Schlagzeilen abgeben und in Reportagen namentlich erörtert werden, sollte man auch einmal ausführlich darüber reden, wie die Boten, die Mägde, Soldaten und entfernte Verwandte allabendlich ihren aufopfernden Zubringerdienst versehen." Wer sich heute einmal dem Vergnügen unterzieht, in Eichholz' gesammelten, in zwei Buchbänden erschienenen Rezensionen nachzulesen, wird feststellen, er hat sein Ziel immer erreicht. Es war vor mehr als fünfzig Jahren, da gab Thomas Mann in den Münchner Kammerspielen eine Lesung. Und Armin Eichholz saß im Parkett, um anderntags darüber in der Zeitung zu berichten. "Das haben Sie glänzend gemacht", bedankte sich später der große Dichter beim bescheidenen Rezensenten, "dass Sie mich teilnehmen ließen an dem Vergnügen Ihrer Leser".

Dieses Vergnügen konnte er nicht nur vermitteln, weil er ein satirisch geprägter Geist war, weil er immer auch noch im Hintergrund das große Lachen spüren ließ, sondern weil ihm selbst bis zuletzt nie die Lust auf Theater verloren gegangen war. Nie die Neugier auf Menschen. Nie die Leidenschaft für die Sache. So konnte man ihm noch bis vor kurzem in den Premieren begegnen. Körperlich immer zarter, schwächer werdend, geistig aber präsent und vor Witz sprudelnd wie eh und je. Er konnte sich noch immer überraschen und begeistern lassen. Zum Beispiel von einer unkonventionellen, frischen "Was ihr wollt"-Inszenierung am Volkstheater, bei der es ihm vor allem die junge Brigitte Hobmeier angetan hatte. Als er sie in einer ihrer nächsten Premieren, der "Lulu", sehen wollte, stürzte er im Theater und brach sich den Fuß. Für Eichholz Anlass selbstironischer Betrachtungen über das Thema alter Herr und junges Ding.

Stets charmant und elegant, war Eichholz ein gefragter Laudator, etwa 1980 für Rolf Hochhuth. Und für seine unter dem Titel "in flagranti" veröffentlichten, köstlichen Literaturparodien wurde der Kritiker selbst ein von der Kritik hoch Gelobter. Geliebt aber haben ihn ­ das war immer wieder zu spüren ­ die Theaterleute. Sie gaben Armin Eichholz mit allem Respekt jene Liebe zurück, die sie von ihm in den Kritiken so reichhaltig erfahren haben.

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