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Gefühl für Proportionen: Zeichenlehrerin Veronika Gruhl zeigt den Mädchen, worauf es ankommt. „Heutzutage brauchst du in fast jedem Beruf Kreativität.“Jila Fekrsanati

Private Münchner Kunstschule

„Art-Spot“: Hier sollen Kinder Kunst und Kreativität lernen

Immer öfter wird heutzutage Kreativität verlangt. Die Münchner Jila Fekrsanati hat eine private Kunstschule für Kinder eröffnet, in der künstlerisches Talent gefördert werden soll.

München - Elf kleine Mädchen sitzen um den langen Tisch im Souterrain der Villa Stuck, und in der Mitte liegt ein Kopf. Kein echter natürlich. Es handelt sich um einen Modellkopf für Perücken, mit großen Augen und überspitzt symmetrischen Zügen. „Wer von euch weiß, was Mangas sind?“, fragt Zeichenlehrerin Veronika Gruhl in die Runde. Darauf wissen die meisten Kinder noch keine Antwort, aber in einem Punkt sind die Kleinen sich einig: Manga-Figuren haben große Augen. „Mangas sind eigentlich normale Comics, nur, dass sie aus Japan kommen“, erklärt Gruhl. Und in den folgenden dreieinhalb Stunden verrät sie ihren Schülerinnen, wie man solche Comicgesichter zeichnet. Als Orientierungspunkte dienen der Puppenkopf und kleine Handspiegel, damit die Mädchen sowohl die Proportionen realer Gesichter, als auch die übersteigerte Kunstvariante im Blick haben.

„Wir bieten eine Ausbildung im Zeichnen, vergleichbar mit einer Musikschule.“

Gruhls Kurs ist Teil einer neuen Kunstschule für Kinder, genannt „Art Spot“. Es sei eine Einrichtung „für Kinder vom Grundschulalter bis zum 18. Lebensjahr“, verrät Schulleiterin Jila Fekrsanati. „Wir bieten eine Ausbildung im Zeichnen, vergleichbar mit einer Musikschule.“ Dabei gebe es zwei Arten von Unterricht: „Zum einen Workshops, die an Wochenenden und in den Ferien laufen – dort können Kinder erstmals unterschiedliche Künstler und Techniken kennenlernen.“ Ab September soll es auch Semesterkurse geben. „Die sind dann einmal pro Woche, und zwar regelmäßig für ein halbes Jahr“, so Jila Fekrsanati.

Einen festen Standort hat die Schule nicht. Die Workshops finden im Botanischen Garten, der Villa Stuck und im Haidhauser Atelier Benad statt. Die Teilnahme kostet jeweils zwischen 35 und 50 Euro.

Die Idee wurde vor zwei Jahren geboren

Die Idee zu ihrer Wanderschule hatte die gebürtige Iranerin vor knapp zwei Jahren. „Es hat damit angefangen, dass ich für meinen Sohn Leonard Kurse gesucht habe, er hat zu Hause nämlich schon von klein auf zu malen angefangen.“ Sie habe in München aber nichts Passendes gefunden. „Ich wollte nicht nur eine Betreuung, bei der die Kinder Pinsel bekommen und dann unter Aufsicht machen können, was sie wollen.“ Sie wollte einen Kurs, in dem ihr Sohn sein Talent ausbauen und etwas über das Kunsthandwerk lernen kann. „Da habe ich viel recherchiert und festgestellt, es gibt zwar eine Menge Seminare, aber eher für Erwachsene.“ Kinderkurse gebe es zwar auch, aber nur vereinzelt. Für Jila Fekrsanati war der Fall klar: „Dann mache ich das eben selbst.“ Inzwischen ist Leonard acht Jahre alt – und ein begeisterter Art-Spot-Schüler.

Fekrsanatis Konzept ist nicht unbedingt das einer klassischen Schule. Statt routinierter Pädagogen plaudern bei ihr professionelle Künstler aus dem Malkästchen. Illustrator Johann Brandstetter zum Beispiel. Der 58-Jährige ist vor allem für seine detaillierten Zeichnungen in der „Was ist was?“-Buchreihe bekannt. In seinem Kurs zeigt er den Kindern, wie man Tiere, Pflanzen und Landschaften aufs Papier zaubert. „Johann ist für uns eine enorme Bereicherung“, sagt Fekrsanati. Es sei spannend und lehrreich, ihm bei der Arbeit zuzusehen. Wie sie an solche Künstler kommt? „Ich bin einfach frech und frage!“ Die meisten fänden ihr Projekt so gut, dass sie sich gerne beteiligen. So auch das Museum Villa Stuck, das für den Unterricht Räume zur Verfügung stellt. Oder der Wiener Materialhersteller Brevillier, der dem Projekt Stifte spendet.

Verwandte redeten Ferkrsanati die Künstlerexistenz aus

Für Ferkrsanati selbst war der Weg zur Kunst voller Hürden. Im Iran wollte sie auf eine Kunsthochschule gehen, aber dann kam alles anders. Verwandte redeten ihr die Künstlerexistenz aus, sie begann ein Informatikstudium. Im Iran sei es für Frauen damals schwierig gewesen, sich in der Kunst zu verwirklichen, sagt sie. „Es hat mich aber immer wieder zur Kreativität gezogen.“ So habe sie sich nebenbei intensiv mit dem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop beschäftigt, mit Grafikdesign und Webdesign. 2001 kam sie mit einem Studienvisum nach Deutschland und lernte zunächst im Bereich der Informatik weiter. Jetzt hofft sie, mit ihrer Kunstschule Fuß fassen zu können.

„Heutzutage brauchst du in fast jedem Beruf Kreativität“, sagt sie. Sie will Eltern beruhigen, die sich sorgen, ihre Sprösslinge könnten zu brotlosen Künstlern werden. „Design spielt überall eine Rolle. Deswegen wollen wir in der Zukunft auch einen Kurs für technisches Zeichnen anbieten.“ Wichtig sei es, Talent zu erkennen und zu fördern.

Hier gibt es weitere zu Jila Fekrsanatis Kinder-Kunstschule

Von Marian Meidel

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