Artistischer Super-Jux

- Eine freudige Begrüßung à la Buchheim: "Hallo Bild-Leser", sagt der Axt schwingende Gartenzwerg. Mitten in einer quietschbunten Welt, die zu schwanken scheint zwischen weichen Fantasie-Lianen und schrillen Zitaten, sprudelt einem der Spott entgegen. Doch so sehr man sich auch dreht und wendet in diesem Plakat-Kaleidoskop, es gibt keine klare Linie: Weder das üppige Ornament noch der Ideenreichtum lassen es zu, Stellung zu beziehen für oder gegen Konventionen oder Freigeist. "Pi Pa Pop Posters" hat Lothar-Günther Buchheim 1968 seine Antwort auf das amerikanische Kunstgeschehen und die deutschen Entwicklungen genannt. Oder auch einen "artistischen Super-Jux" ohne edles Anliegen: Er wolle dem Volk nur "was Buntes für die Wand verhökern", sagte er einst. Heute ist es nicht anders: Im Bernrieder Museum verblüfft er in der Sonderschau mit diesem Rückgriff auf seine 60er-Jahre und liegt damit genau im Retro-Trend.

Was ihn in diesen Arbeiten deutlich zu einem Vertreter der 68er macht, ist die schiere Revolution ­ und zwar gegen alles. Binsenweisheiten des Bürgertums begegnet er mit einer sich räkelnden Dame und einem "Morgenstund ist aller Laster Anfang". Der \x0fTotenkopf auf Rot und Schwarz über dem Text "Denk ich an Deutschland und die Macht" ist ein Angriff auf das sich wieder stärkende Nationalgefühl. Und allen Hippie-Farben und ­Formen zum Trotz verändert er die Hymne "Make Love not War" zu einem garstigen "Make money with war".

Buchheim verleibte sich die volksnahen, Mode-orientierten Anliegen der amerikanischen Pop Art ein, das irre Gepräge der Optical Art, das Collagieren von alten Stichen und vor allem das Handwerk alter Meister. Seinen Rückgriff auf Papier und Druckerfarbe bezeichnete er seinerzeit schon als "revolutionär-reaktionär", hantierte mit alten Zahnbürsten und Teesieben, übertrug auf Folien (statt auf den Lithografie-Stein) und verwirklichte letztlich durch den Irisdruck im Ein-Mann-Unternehmen eine innovative Einheit von Unikat und Multiple.

Was das genau heißt, kann man bestens an den verschiedenen Zuständen samt Notizen ablesen. Die Ergebnisse sind Farbexplosionen voller Ästhetik und Protest, die schon vor knapp vierzig Jahren für Furore sorgten. Daran erinnert die Ausstellung zu Buchheims 89. Geburtstag heute.

Katalog: 7,80 Euro, Tel. 08158/ 99 700.

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