Vom Aschenputtel zum Thronfolger

München - Das Leben ein Traum ­ ein Begriff, den jeder kennt; etwas, das man sich manchmal vielleicht wünscht. "Das Leben ein Traum" aber ist zuallererst ein berühmtes, altes Drama, ein philosophisches Exempel, in dem ein soziales Experiment abgehandelt wird und das an diesem Freitag im Münchner Residenztheater in der Regie von Alexander Nerlich Premiere hat.

"Ein schönes Stück. Ein schweres Stück." Das sagt Felix Rech (30) über "Das Leben ein Traum", mit dem der Spanier Pedro Calderón de la Barca (1600-1681) einen Klassiker geschrieben hat. Keine leichte Kost, gewiss. Aber wenn man darin die Hauptrolle spielt, den Prinzen Sigismund, und das Ganze als Märchen nimmt, das es ja auch ist, eine besondere Herausforderung für einen jungen Schauspieler.

Denn der Sigismund, der seit seiner Geburt von seinem Vater, dem König, in einem Verlies gehalten, als Jüngling probeweise in den Palast geholt und schließlich wieder zurück ins Gefängnis gebracht wird und dem man erklärt, dieser Moment der Freiheit sei lediglich ein Traum gewesen ­ diese Sigismund-Rolle gilt sozusagen als eine Art Prüfstein für die Art der Helden-Betrachtung im Theater.

Die Annalen erzählen vom legendären Horst Caspar, vom klassischen Will Quadflieg, vom ausstrahlungsstarken Thomas Holtzmann, der diese Rolle gleich dreimal in seinem Schauspielerleben spielte, und vom introvertierten Josef Bierbichler, der 1984, ebenfalls auf der Resi-Bühne, der Sigismund war.

Nun also Felix Rech. Seit 2006 ist er an diesem Haus und bislang präsent eher in der sogenannten zweiten Reihe (Tambourmajor im "Woyzeck"). Dabei ist der große, hagere Schauspieler, der aus Marburg stammt, durchaus "Helden" gewohnt. Nach seiner Ausbildung am Wiener Reinhardt-Seminar spielte er in Weimar sofort den Hamlet, den Edmund im "Lear". Und auch in Berlin, wo er drei Jahre am Gorki-Theater engagiert war, kann sich die Rollenliste, die auch Kleists Ruprecht im "Zerbrochnen Krug" nennt, sehen lassen. Beim Lesen nun dieses in Versen geschriebenen Calderón-Stücks habe er gleich gemerkt, was das für eine Riesenaufgabe sei. Seine Herangehensweise an die Rolle aber sei stets die gleiche: "Wie rechtfertige ich auf der Bühne das Handeln meiner Figur? Ich versuche immer, ihr Recht zu geben. Zum Beispiel jetzt in der Auseinandersetzung Sigismunds mit Basilio, dem König und Vater. Ich denke, dass man, wenn er spricht, verstehen muss, warum er einst seinen Sohn weggesperrt hat; aber wenn ich als Sigismund genau das Gegenteil sage und auch so handle, muss man dafür auch Verständnis aufbringen."

Auch dafür, dass der Sigismund am Ende das Schicksal in Gottes Hand legt?

Rech: "Sigismunds Läuterung: Der Himmel hat ein Urteil gesprochen, und ich bin der, der es ausführt, weil ich erkannt habe, dass man sich dem Himmel nicht widersetzen darf. Das Schicksal gibt die Macht dem, dem sie gebührt." Ja, für die Rolle müsse man dies annehmen. Aber "ein Staat, in dem ich gerne leben möchte, ist das gewiss nicht". Was ihm dennoch an dieser beispielhaften Rolle so gefällt? Es ist "die Wandlung vom zornigen, wütenden jungen Mann, der seinen Platz in der Welt nicht kennt; der die große Demütigung erfährt, als er hört, von königlichem Blut zu sein. Vom Aschenputtel zum Thronfolger ­ das ist eine wahnsinnige Überforderung. Oder war am Ende doch alles nur ein Traum?"

Und wie hält Felix Rech es selbst mit Traum und Wirklichkeit? Rech: "Das ist zwar von mir jetzt nur so Küchenpsychologie; aber dass man den Traum, den man geträumt hat, mit in den Tag nimmt und der Tag etwas damit zu tun hat, das ist mir schon so ergangen." Also doch das Leben ein Traum? "Na ja, ein bisschen verrückt kann einen das Thema schon machen. Wenn ich nur träume, wenn alle nur träumen ­ dann wäre doch alles ganz leicht. Das gäbe einem eine große Freiheit: Wenn ich Lust habe, träume ich mich einfach woanders hin. Aber damit begibt man sich auf sehr dünnes Eis, da gibt's keinen Rettungsanker."

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