Aseptischer Europudding

- "Mifune" hieß jene wunderbare Komödie, mit der der dänische Regisseur Sören Kragh-Jacobsen vor vier Jahren bekannt wurde. Das war auf dem Höhepunkt der Dogma-Welle; mit Hilfe der strengen Regeln ihres Manifests erlebte eine Reihe unbekannter Dänen internationale Erfolge. Doch aus "Dogma" ist die Luft raus, und an den Charme und die Kraft von "Mifune" kann "Skagerrak" in keinem Moment anknüpfen.

<P>Im Zentrum stehen zunächst Marie und Sophie, zwei junge Frauen, die ihr Leben mit Gelegenheitsarbeiten auf Bohr- und Fischereiinseln verbringen. Abends in schottischen Häfen gibt es schnellen Sex und ein paar Schnapsgläser zuviel. Nachdem sie ein Lover beklaut hat, stehen sie ohne Geld da. Da macht ihnen ein anderer Zufallsbekannter einen Vorschlag: Für 40 000 Pfund soll sich Marie vom Sohn des schottischen Adeligen schwängern lassen, damit das uralte Geschlecht nicht ausstirbt. <BR><BR>Bis dahin funktioniert der Film noch recht gut, wenn auch das Verhältnis zwischen Ernst und Humor von Anfang an Schlagseite hat und Marie (Iben Hjejle) und Sophie (Bronagh Gallagher) gar zu unterschiedliche Typen sind, als dass ihre innige Freundschaft je mehr wäre als bloße Behauptung. </P><P>Auf alles, was jetzt ein spannender Stoff für Komödie wie Drama wäre - das Alleinsein Maries, ihr Verhältnis zu den Blaublütern - verzichtet der Film zugunsten einer abstrusen Geschichte: Marie flieht nach Glasgow, gerät an drei völlig übertrieben gezeichnete Automechaniker, die sie betrügen wollen, dann aber an ihr Gefallen finden. Hinzu kommt der vom Adelshaus als Detektiv entsandte Gutsverwalter, in den sich Marie verliebt . . . Eine absurde Wendung jagt die nächste, zusammen bildet das Ganze öde konstruierten Kitsch, der alle guten Ansätze im Keim erstickt. </P><P><BR>Schuld daran trägt aber nicht nur der Regisseur, sondern auch ein europäisches Fördersystem, das es einem Dänen trotz internationalen Erfolgs nicht möglich macht, in seiner Heimat einen erfahrungssatten Stoff zu verfilmen, sondern ihn dazu zwingt, eine Geschichte aus Schottland zu erzählen, mit zum Teil schottischen Darstellern, in der auch Dänen auf Englisch spielen müssen, blutleer und identitätslos, aseptischer Euro-Pudding par excellence.</P><P>"Skagerrak"<BR>mit Iben Hjejle, Bronagh Gallagher<BR>Regie: Sören Kragh-Jacobsen<BR>Erträglich</P>

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