Mann droht mit Bomben: Entwarnung nach Großeinsatz in München und Ingolstadt

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Asta als Fettfleck

- Emilie Bardach beschreibt es in ihrem Tagebuch: das Abenteuer, einen Mann von seiner Frau wegzulocken. Es zu versuchen. Emilie Bardach? Die 18-jährige Freundin des 61-jährigen, verheirateten Henrik Ibsen. Über ein Jahr währte ihr leidenschaftlicher Briefwechsel mit dem norwegischen Theaterautor, mit dem Spezialisten für komplizierte oder verlogene Geschlechterbeziehungen und für hörige, aber aufbegehrende Frauen. Von Emilie Bardachs Aufzeichnungen hat sich Katja Müller für ihre Rolle der Asta inspirieren lassen und findet, "man darf sie nicht zu heilig lesen".

<P></P><P>Sie ist im Stück "Klein Eyolf", das Ibsen 1894 geschrieben hat, die Stiefschwester Alfred Allmers', eines Gutsbesitzers und Schriftstellers. Schon in Jugendtagen trug das Geschwisterverhältnis erotische Züge. Und die leben umso mehr auf, seit Allmers sich innerlich von seiner Frau Rita entfernt hat und der körperlich behinderte Sohn Eyolf zum Problem der Ehe wird. . . Der junge Florian Fiedler, der bereits in Hamburg und Basel inszeniert hat, bringt das Stück auf die Bühne des Münchner Volkstheaters (heute Premiere), "nicht so sehr psychologisiert, aber doch fein gearbeitet", sagt Katja Müller. Eigentlich will die zierliche Person, die in der "Geierwally" die bodenständige Afra und im "Verkauften Großvater" die wilde Ev spielt, gar nicht reden über ihre Rolle, "denn gerade bei Ibsen lassen sich die Eindrücke nur schwer in Worte fassen". Allerdings über Asta kann sie plötzlich doch viel sagen, weil diese eine Entscheidung provoziert: Ist sie die rücksichtsvolle Gute oder die störende Dritte? "Ich empfinde Asta als Störfaktor, als Fettfleck, der in der Gegend prangt. Sie zu spielen, ist ein Seiltanz: Sie ist Ritas Konkurrentin, sucht bei ihr aber auch ein Zuhause, denn sie hat ja niemanden. Sie hat Angst zu leben und will gelebt werden." Immerhin will sie etwas, und vor allem würde sie den Allmers wollen. "Der hingegen", so Müller, "nimmt sich immer nur vor, etwas zu wollen". Ein Buch über Verantwortung schreiben, den Sohn erziehen - die Flucht in Pflichten und Entsagung. Er empfindet die Behinderung des Sohnes als Strafe und die Entfernung von seiner Frau als Sühne.</P><P>"Sie hat Angst zu leben und will gelebt werden."<BR>Katja Müller</P><P>Aber interessiert dieser Konflikt um schuldbeladenen Eros noch? Er liegt wohl heute etwas anders: "Religion ist unwichtig geworden, die Menschen suchen stattdessen die Intimität, sind aber gleichzeitig nicht fähig, sie zu leben. Rita und Allmers machen sich gegenseitig böse und hässlich, zerstören sich, je näher sie sich kommen." Nur langsam, Satz für Satz ein bisschen mehr, aber dann mit immer größerer Emphase gibt die zarte Katja Müller ihre Gedanken preis.</P><P>Ibsen spielt sie zum ersten Mal, seine Frauenfiguren findet sie sehr spannend. Und was noch? "Alle Griechen", klingt es einschüchternd aus ihrem kleinen Mund. "Weil sie so archaisch sind. Das hat Größe." Und: "Dass Theater eine politische Haltung einnimmt, ist mir wichtig. Es ist heute so schwer, politisches Theater zu machen, ohne moralisch zu werden. Brechts Frauenrollen finde ich in diesem Zusammenhang auch interessant, und das, wofür sie kämpfen." </P><P>Katja Müller hat bereits, im richtigen Leben, für eine eigene ungewöhnliche Frauenrolle gesorgt: 1975 bei Heidelberg geboren und dort aufgewachsen, ging sie nach dem Abitur zuerst als Straßenmusikerin, ausgestattet mit Stimme, Akkordeon und Gitarre, nach London. Dann nach Rumänien, "weil ich Zigeunermusiker kennen lernen wollte. Ich traf aber keinen einzigen . . ."</P><P>Als sie sich von ihrem Lachen erholt hat, erzählt sie noch von ihrer Reise mit einer Zigeunermusik- und Theatertruppe durch Osteuropa. Da war sie aber bereits Schauspielschülerin auf der Bayerischen Theaterakademie. Ein Gastspiel am Volkstheater, ein Engagement in Potsdam, bis Christian Stückl sie schließlich nach München zurück holte. Sie fühlt sich wohl im kleinen Volkstheater-Ensemble. Und findet zuletzt immer noch, sie habe eigentlich nichts zu sagen. Man solle ihr doch einfach zuschauen.</P>

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