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In dieser Szene in "Der Papyrus des Cäsar" ist Gaststar Julian Assange als hellblonder Enthüller Polemix.

Diese Gallier rocken wie die Stones

Diese Geschichte erzählt das neue Asterix-Heft

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München - Der „Asterix“-Band „Der Papyrus des Cäsar“ hat schon vor der Veröffentlichung für Aufregung gesorgt. Jetzt ist klar, worum es in der Geschichte geht - sie dreht sich rund um Medien und Zensur.

Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Und Sie haben richtig gelesen: GANZ Gallien! Nach 35 Bänden voller Demütigungen hat Gaius Julius Cäsar die Nase gestrichen voll. Die Unbeugsamen sollen endlich gebeugt werden. Rufus Syndicus, umtriebiger Medienberater des Imperators, heckt einen perfiden Plan aus, um die renitenten Gallier ein für allemal aus der Geschichte des Altertums zu tilgen. So beginnt „Asterix“-Band 36 „Der Papyrus des Cäsar“, der heute erscheint. Die ebenso ambitionierte wie aktuelle Geschichte rund um Medien, Manipulation und Zensur hält am Ende, beim klassischen Wildschweinfuttern auf Seite 48, zwar nicht ganz, was sie zu Beginn verspricht. Doch die neuen Autoren Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen) legen mit ihrem zweiten Album ein unterhaltsames Heft vor, das keinesfalls verdient hat, dass schon morgen die Gebraucht-Fische von Verleihnix darin eingewickelt werden.

Im Jahr 2013 verschafften Ferri und Conrad den Galliern ein feines Comeback. Ihr Schotten-Abenteuer „Asterix bei den Pikten“ war zwar kein Geniestreich – ließ aber endlich die unsäglichen Spätwerke von „Asterix“-Erfinder Albert Uderzo (heute 88) vergessen, dem mit den Außerirdischen in „Gallien in Gefahr“ (2005) endgültig der Himmel auf den Kopf gefallen war. Danach ging der Zeichner, gerade noch rechtzeitig, in den Austrag, übergab an seine Nachfolger. Die Pikten verkauften sich über fünf Millionen Mal, „dieser Erfolg hat alle entspannt“, erklärt Conrad. 

Das Asterix-Abenteuer spielt überwiegend in gallischem Dorf

Uderzo wacht aber immer noch über sein Erbe und achtet auf alle Details. So hatte Zeichner Conrad beim Debüt die falsche Anzahl von Streifen aufs Obelix’sche Beinkleid gepinselt – es müssen exakt dreieinhalb sein. Auf die Schottland-Reise folgt diesmal ein Abenteuer, das überwiegend im gallischen Dorf spielt. An dieser traditionellen Abfolge wird nicht gerüttelt. Cäsar und sein Strippenzieher Syndicus wollen die Gallier kurzerhand aus dem antiken Bestseller „Der Gallische Krieg“ streichen, der kurz vor der Veröffentlichung steht. Ursprünglich hatte Cäsar, die ehrliche Haut, das aufmüpfige Völkchen darin ausführlich gewürdigt: „Leider ist das die traurige historische Wahrheit.“ Doch Syndicus weiß, wie der antike Medienhase läuft: Streicht man die Gallier aus dem monumentalen Werk, weiß bald schon niemand mehr, dass sie je existiert haben.

Die Geschichte bietet zahllose Anspielungen auf Internet, NSA-Affäre und Lauschangriffe. Wikileaks-Gründer Julian Assange ist das Vorbild für den Kolporteur Polemix, der den gallischen Dörflern zuträgt, dass Cäsar sie unterschlagen will. So genial und durchtrieben, wie der 1977 verstorbene „Asterix“-Texter René Goscinny einst die modernen Zeiten aufs Korn nahm, gelingt Ferri und Conrad die Gallisierung des aktuellen Themas zwar bei weitem nicht.

Beim mehrfachem Lesen fallen liebevolle Details auf

Trotzdem haben „Asterix“-Fans ihr Vergnügen mit dem „Papyrus des Cäsar“. Und spätestens beim zweiten, dritten Lesen fallen liebevolle Details auf, die an alte Zeiten erinnern. Herrlich, wie kreativ Obelix auf Seite 28 ein Hünengrab aufrichtet. Auch den Kleinkrieg des intellektuell massiv überforderten Häuptlings Majestix mit seiner ambitionierten Gattin Gutemine haben sich Ferri und Conrad wunderbar ausgedacht. Insgesamt erinnert der 36. Asterix an eine angejahrte Rockkapelle, die auf ihre alten Tage noch einmal ein Album aufnimmt. Ein „Jumpin’ Jack Flash“ bringen die Stones heute zwar nicht mehr zustande. Aber rocken können die alten Knaben noch immer. Asterix und Obelix – heute sind sie Mick Jagger und Keith Richards mit Sprechblasen. „It’s only Asterix, but I like it.“ Wertung fürs neue Heft: 3,5 von 5 Hinkelstones.

Offiziell erscheint das neue Asterix-Heft erst ab Donnerstag, auch wenn ein Laden in München zwei Tage vor Verkaufsstart schon ein paar Exemplare verkauft hat, an den Journalisten Dorin PopaIn Starnberg gibt es einen Ort, an dem es schon um sechs Uhr morgens erhältlich ist.

„Der Papyrus des Cäsar“. Ehapa, 48 S.; 12 Euro (Hardcover)/ 6,50 Euro (Softcover).

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