Sturm Friederike wütet: Dach von Gymnasium droht abzuheben - Bäume blockieren S-Bahn-Netz

Sturm Friederike wütet: Dach von Gymnasium droht abzuheben - Bäume blockieren S-Bahn-Netz

In atemloser Hektik

- Um das, was von ihm erwartet wird, hat sich Peter Hein nie wirklich gekümmert. 1980 hatte seine Gruppe Fehlfarben mit ihrer Debüt-LP "Monarchie und Alltag" den frühen und einsamen Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle markiert, da verließ der Sänger und Texter die Band, um fortan beim Drucker- und Kopierkonzern Rank Xerox sein Brot zu erwerben.

Seit 2002 sind Fehlfarben wieder da, und es hat sich nicht viel geändert: Sie zeigen, dass Pop und intelligente Texte sich in Deutschland nicht automatisch ausschließen. Auf der jüngsten Veröffentlichung lassen sie so unterschiedliche Verehrer wie Dirk von Lowtzow von der Band Tocotronic, Helge Schneider und Herbert Grönemeyer ihre Songs singen, in die Münchner Muffathalle kommen sie anlässlich ihrer "Geburtstag vergessen"-Tour - und der Düsseldorfer Hein zeigt sich als rheinische Frohnatur.

Munter plappert er auf sein Publikum ein, hüpft wie ein grinsender Derwisch, doch wenn er singt, tut er dies mit der gleichen atemlosen Hektik, mit der diese Musik damals wie heute absolut in die Zeit passte. Ängste und Zwänge nicht nur Jugendlicher werden hier verhandelt ("Was ich haben will, das krieg ich nicht/ Und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht"), Geschichten aus dem täglichen Sterben, während Gitarrist Thomas Schwebel und Kollegen die Nervenenden mit dem Rasenmäher trimmen.

Den alten Hit "Ein Jahr (Es geht voran)" verschludern sie inmitten von neuen Songs, die allesamt Hits sein sollten - "Der Club der schönen Mütter" etwa, "Die kleine Geldwäscherei" oder "Ironie 2010". "Gar nicht schlecht für 'ne deutsche Band, was?", fragt Hein am Ende. Stimmt. Und es scheint, als bliebe sie uns diesmal länger erhalten. Hein hat seinen Job bei Rank Xerox unlängst verloren - auch das passt in unsere Zeit.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fire and Fury - ein amerikanisches Sittengemälde
Wird sich Michael Wolffs Bilanz des ersten Jahres der Donald-Trump-Regentschaft auch in Deutschland gut verkaufen? Und ob. Die englischprachige Originalversion ist …
Fire and Fury - ein amerikanisches Sittengemälde
„Kulturzeit will helfen, die Welt zu mögen“
Zuschauer des BR-Fernsehens kennen Vivian Perkovic von den Sendungen „Jetzt mal ehrlich“, „Puls“ und „on3-Südwild“. Seit einem Jahr ist die 39-Jährige, die etwa auch …
„Kulturzeit will helfen, die Welt zu mögen“
Dolores O’Riordan – die Frau mit der Monsterstimme
„Zombie“ war der größte Hit der Band The Cranberries. Völlig überraschend ist Sängerin Dolores O’Riordan jetzt mit 46 Jahren gestorben. Unser Nachruf: 
Dolores O’Riordan – die Frau mit der Monsterstimme
Unterwegs mit einem Flötisten der Münchner Philharmoniker
Wie ein normaler Arbeitstag bei den „Philis“ aussieht, verrät der Soloflötist Herman van Kogelenberg (38). Wir begleiteten ihn von der Probe am Samstag bis zum Konzert …
Unterwegs mit einem Flötisten der Münchner Philharmoniker

Kommentare