"Atomgefahr USA" - ein Schreckensszenario aus neuer Perspektive

- München - Mit dem Ende des Kalten Krieges schien die Gefahr eines Nuklearkrieges weitgehend gebannt zu sein. Washington und Moskau arbeiten an der Abrüstung ihrer atomaren Arsenale, und ein zerstörerischer Schlagabtausch zwischen der einzig verbliebenen Supermacht USA und potenziellen Feinden wird von vielen als unrealistisch verworfen. Jetzt hat die renommierte Atomwaffenexpertin und Ärztin Helen Caldicott in ihrem Buch "Atomgefahr USA" ein Schreckensszenario entwickelt, dass das Potenzial der Vereinigten Staaten als Risiko darstellt.

<P>Die Verfasserin, Mutter von drei Kindern, wurde für ihr Engagement gegen die atomare Rüstung bereits für den Friedensnobelpreis nominiert. Sie unterstützte auch die Gründung der Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges.</P><P>Auf Initiative von mächtigen Produzenten wie Lockheed Martin (LM) werden ständig neue Waffen entwickelt. Die USA geben laut Caldicott inzwischen jährlich 375 Milliarden Dollar für die Rüstung aus, während Russland pro Jahr einen Bruchteil dieser Summe dafür bereitstelle. Zudem stehen Tausende von Atomraketen startbereit in ihren Silos. In dem Buch stellt Caldicott die Frage nach dem Warum: Wozu brauchen Präsident George Bush und seine Regierung so viele Atomwaffen? Stellt die Anhäufung dieser Waffengattungen für die restliche Welt eine ernsthafte Bedrohung dar?</P><P>Doch das Buch ist kein emotionaler Kassandra-Ruf. Mit fast beängstigender Sachlichkeit belegt die Medizinerin, dass Amerika das größte und gefährlichste Atomwaffenprogramm der Welt hat - Waffen, die Washington durchaus im "Krieg gegen den Terror" einsetzen könnte. Für Caldicott sind sogar die jüngsten Abrüstungsvorschläge Amerikas, nämlich den Vorrat an strategischen Waffen in den nächsten zehn Jahren von rund 7000 auf 2220 bis 1700 abzubauen, letztlich bedeutungslos. "Die Vereinigten Staaten haben auch dann noch genügend Waffen, um an ihrer Politik festzuhalten, nach der ein Atomkrieg im Falle eines amerikanischen Erstschlags zu gewinnen sei", schjreibt die Autorin.</P><P>Den Auswirkungen von uranhaltiger Munition, die am Golf und im Kosovo eingesetzt wurde, widmet Caldicott ein ganzes Kapitel. Nach ihrer Meinung wusste das Pentagon schon lange vor der Operation Wüstensturm Anfang der 90er Jahre um die gesundheitlichen Risiken, die von solcher Munition ausgehen. Weder damals noch jetzt nach dem gerade zu Ende gegangenen Irak-Krieg hätten die USA zugesagt, die verseuchten Landstriche zu dekontaminieren.</P><P>Die US-Regierung verzichtete zwar im Krieg gegen das Regime von Saddam Hussein auf den Einsatz atomarer Waffensysteme wie die vom Rüstungshersteller LM entwickelten Trident-U-Boot-Atomraketen, das ändere aber nichts an der Tatsache, dass ein Trident U-Boot mit seinen Atomraketen ein Gebiet von der Größe der ehemaligen Sowjetunion in Schutt und Asche legen könnte, schreibt Caldicott. Von diesen U-Booten, die von dem START-II Vertrag über den Abbau von Mehrfachsprengköpfen nicht betroffen sind, hat die USA eine ganze Flotte.</P><P>Solche wichtigen Sachinformationen stehen im umfangreichen Anhang des Buches. Außerdem gibt es Kurzporträts der wichtigsten USAtomwaffenhersteller, und auch die Standorte der einsatzfähigen Atomraketen der USA sind aufgelistet. Als Möglichkeit zum persönlichen Engagement oder auch nur zur Information sind zahlreiche Organisationen und Institutionen aufgelistet, die sich weltweit für Frieden und Abrüstung einsetzen.<BR> <BR>Helen Caldicott: Atomgefahr USA <BR>Hugendubel Verlag, München, 400 S., Euro 23,-<BR>(ISBN 3-7205-2385-3) <P></P><P><P>Das Buch über unseren Partner amazon.de bestellen: <BR> Atomgefahr USA </P></P>

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