Auch ein Bierzelt ist ein Hohlraum

- Die Leser haben ihr Votum abgegeben, haben deutlich zum Ausdruck gebracht, wer ihnen in der jetzt zu Ende gehenden Spielzeit am besten gefallen hat. Ganz eindeutig: Gerhard Polt gehört dazu. Mit seinem Stück "Offener Vollzug - Ein Staatstheater" hat er dem Residenztheater eine grandiose, so erhellende wie komische Vorstellung beschert. Zusammen mit Vesselina Kasarova und Pascal Breuer wird dem "Gesamtkunstwerk" Polt in der kommenden Woche der Merkur-Theaterpreis überreicht.

Sie sind - siehe "Offener Vollzug" - ein genialer Papstdarsteller. Werden Sie ihm begegnen, wenn er im September Bayern besucht?

Gerhard Polt: Das glaube ich nicht.

Die Kunst wird von Preisen nicht beeinflusst. Spielen Preise für Sie dennoch eine Rolle?

Polt: Ich meine, für mich persönlich ist das schön, das löst natürlich Freude aus. Wenn man gepriesen wird oder einen Preis bekommt, das ist doch nicht das Schlechteste im Leben. Aber man muss es natürlich nicht übertreiben. Sie wissen ja: Unerbittlich suchen sich die Preise ihre Träger. Darauf kam ich im Zusammenhang mit "München leuchtet", als ich nämlich erfahren hatte, dass da jeder mal rankommt bei der Stadt, automatisch. So einen Preis kann man sich ersitzen.

So ähnlich wie Stoibers kürzlich verliehene Maximiliansorden . . .

Polt: Ja, da ist das gleiche Problem. Und dieses Problem hat nicht zuletzt auch der Nobelpreis. Jedes Jahr müssen die einen finden - um jeden Preis. Das kann auch zum Dilemma werden. Also ein Preis kann, aber muss nicht sein.

Die Biermösl Blosn fordert Sie, wie jetzt auch im "Offenen Vollzug", immer wieder musikalisch heraus. Wie sehen Sie diesbezüglich Ihre Karrierezukunft?

Polt: Ich bin natürlich bereit zu singen. Aber ich muss mich auch überwinden. Ob ich mir damit einen Gefallen tue, weiß ich nicht. Angeblich hab' ich eine Stimme, die sich hören lassen kann.

Das kann hier nur bestätigt werden. Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie im Zelt oder im Theater spielen?

Polt: Jeder Ort ist verschieden, hat andere Bedingungen. Dazu kommt das Publikum, das im Bierzelt eine andere Mischung ist als im Theater. Aber ich meine, ein Bierzelt ist zunächst einmal auch nur ein Hohlraum. Es kommt immer auf den Veranstalter an - ob es der Bund Naturschutz, die Volkshochschule, die Freiwillige Feuerwehr oder wie beim Residenztheater der Staat ist.

Aber in "Offener Vollzug" gehen Menschen, die sonst vielleicht nicht ins Theater kommen.

Polt: Das ist wohl so. Allerdings glaube ich, dass das andere Stücke genauso betrifft. In Klassiker wie "Phädra" oder "Amphitryon" gehen, abgesehen von den Abonnenten, andere Leute als in moderne Stücke.

"Offener Vollzug" - ein Riesenerfolg. Gemessen an der Nachfrage gibt's viel zu wenige Vorstellungen. Sie könnten en suite spielen . . .

Polt: Nein, wir wollten gern in diesem Spielplan bleiben. Wir, die Biermösl Blosn und ich, kennen den Dieter Dorn schon so lange. Dass wir an seinem Haus spielen, hat mit ihm zu tun. In sein Programm wollten wir uns einfügen.

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