"Auch die Eitelkeit ist eine Triebfeder"

München - Werner Schneyders Beruf ist mit Kabarettist nur unzureichend beschrieben. Das heute 71-jährige Multitalent ist Autor mehrerer Bücher (zuletzt erschien Anfang des Jahres "Der Krebs" über das Sterben seiner Frau), er inszenierte und inszeniert Theaterstücke, schreibt und übersetzt Chansons.

Einem großen Publikum in Deutschland wurde der gebürtige Grazer durch sein Engagement als Sportreporter und -moderator im ZDF bekannt ­ und als Bühnenpartner von Dieter Hildebrandt, mit dem zusammen er in Programmen wie "Talk täglich" und "Ende der Spielzeit" Kabarettgeschichte schrieb. Nun erhält Schneyder den Bayerischen Kabarettpreis für sein Lebenswerk.

Werner Schneyder über Auszeichnungen, seine befristete Rückkehr auf die Bühne und über Kollegen, die er gut findet

-Ihren bisher letzten deutschen Kleinkunstpreis haben Sie im Jahr 1984 erhalten. Ist der Bayerische Kabarettpreis 2008 für Sie so etwas wie eine späte Genugtuung?

Er wärmt mir das Herz, weil Schwabing und speziell die Münchner Lach- und Schießgesellschaft lange Zeit die Zentren meiner Betätigung auf dem Gebiet des Kabaretts waren.

-Aber das war in den Siebziger- und Achtzigerjahren, liegt also schon eine Weile zurück.

Ach wissen Sie, für Preise ist es nie zu spät.

-Sie haben sich relativ früh von der Kleinkunstbühne verabschiedet, ganz im Gegensatz zu Ihrem langjährigen Bühnenpartner Dieter Hildebrandt. Haben Sie es nie bereut, nicht mehr ins Geschehen eingreifen zu können?

Nein, ich habe es nie bereut, weil ich doch so vieles andere gemacht habe, was mich nahe an das Publikum herangebracht hat. Ich habe Bücher geschrieben und daraus viel gelesen. Übrigens ist gerade durch mein vorletztes Buch "Meine zwölf Leben", in dem es ein ausführliches Kabarettkapitel gab respektive gibt, in mir die Lust gewachsen, ein Nachspiel zu machen. Kein Comeback, darauf lege ich großen Wert. Ich werde von Ende Mai an ein paar Soloabende haben.

-Also haben Sie doch Sehnsucht nach der Bühne?

Auch die Eitelkeit ist eine Triebfeder. Ich musste mir eingestehen, dass alle, die heute jünger als 30 sind, mich nicht mehr kennen. Und da habe ich mir gedacht: So alt bin ich noch nicht, dass ich von denen nicht gekannt sein möchte.

-Eine Tour, die Sie auch nach München führt?

Das wird sich herausstellen. Ich absolviere ein paar Auftritte und entscheide dann, ob ich die vielen Anfragen, die es schon gibt, positiv bescheide.

-Wie beurteilen Sie die heutige Kabarettlandschaft?

Ich finde manches hervorragend, manches brauchbar und vieles grottenschlecht.

-Und wen oder was finden Sie hervorragend?

Ich möchte nicht kneifen, aber ich kenne mich in der deutschen Szene im Moment nicht so gut aus. Es besteht also die Gefahr, dass ich, wenn ich Namen nenne, einen wichtigen vergesse. In der Wiener Szene kenne ich mich besser aus.

-Nachdem die aber auch sehr gern nach München kommen, können Sie gerne auch Wiener nennen oder andere Österreicher...

Da würde ich Josef Hader und Alfred Dorfer nennen und bei den noch etwas Jüngeren Florian Scheuba, Thomas Maurer und Rupert Henning. Diese drei machen zusammen mit dem fabelhaften Komödianten Erwin Steinhauer ein Fernsehkabarett, das "Die Vier" heißt und auf dem Gebiet der Fernsehsatire das Beste ist, was ich kenne.

-Sie haben sich auch als Sportreporter einen Namen gemacht, da muss abschließend die Frage erlaubt sein, wie Sie die Chancen der deutschen und der österreichischen Fußballer bei der bevorstehenden Europameisterschaft einschätzen.

Die Chancen der deutschen Nationalmannschaft schätze ich sehr hoch ein, gefühlsmäßig sehe ich die im Finale. Zu den österreichischen Chancen möchte ich mich lieber nicht äußern. Ich bin zu sehr Patriot, um gerne ein präventiver Brunnenvergifter zu sein.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann

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