Auch Granteln ist erlaubt

- "Schleich de": Eine eigenwillige Einladung, die da mit dem herb-bayerischen Platzverweis auf einem weißen Sesselrücken im Schäfflerhof ausgesprochen wird. Und doch weckt sie die Neugier für einen Dialog zwischen Hamburg und München, zwischen Ästhetik und Alltag bei Bethge. Auf Grußkarten wird ein "Gä, samm wieda guad" mit einem internationalen "Sorry" übersetzt.

<P>Das Blauweiße vom Jungdesigner Christian Haas behauptet sich gut im Silber- und Schwarz-Ambiente des Hamburger Nobelshops. Zwischen Schnürsenkel-Lampen und exklusiven Notizbüchern wird hier am Donnerstag ab 17 Uhr auch ein Grantelwettbewerb stattfinden. Dieses amüsante Experiment ist ein gutes Beispiel für die publikumswirksamen, grenzüberschreitenden 78 Projekte des Designparcours München. </P><P>Schon in der U-Bahn erste Verweise auf die Allgegenwart der bewussten Gestaltung. Auf den Info-Screens wird das Parcoursthema "Sinne" visualisiert: ein Hund schnüffelt auf den Wartenden zu. Die Münchner Fachhochschüler mischen sich mit Kurzfilmen und schnellen Schnitten in die Wahrnehmung des Alltags ein. Im Aufgang Marienhof hat das gruenstich-Team Plakatwände mit Wurfspielen, Zettel und Gummibärchen ausgestattet. Die Installation wird kaum die Aktionswoche überleben, der Aufruf zum genauen Hinsehen und Wahrnehmen aber länger wirken. Das nachdenklichste Beispiel dazu steht auf dem Max-Joseph-Platz. Hier behaupten Ritz/Schultes in einem Fotokubus: "Kein Anzug fragt, ob man Moslem, Christ oder Jude ist. Menschen können von Anzügen lernen."</P><P>Bei Beck am Marienplatz ziehen bunte Plastikschnecken ihre gemächlichen Bahnen, umschwärmt von zarten Schmetterlingen. Peter Naumann hat den Tesafilmrollen und Lochern Leben eingehaucht: nettes Design für Spielernaturen am Schreibtisch. Häfelinger und Wagner in den Sparkassenarkaden gehen die Sache zwar genauso poppig, aber tiefschürfender an: In einem entspannenden Raum mit genügend Zeit kann man hier Kresse und Design wachsen sehen. Ein grüner Schriftrasen zwischen orangefarbenen Sesseln soll die Wechselwirkung zwischen Sinnen, Wahrnehmung und Verstehen demonstrieren. Nebenan hüllt sich Herwig Huber in winterweißes Styropor und erzeugt eisige Weite, also die Illusion Naturerlebnis, mit Licht und Verpackung.</P><P>Die gut konsumierbare Bandbreite des Designs erschließt sich in seinen Gegensätzen: Brav stellt Ideo (Hochbrückenstr. 6) innovatives Küchengerät und fertiges Dosenergebnis gegenüber. Ganz spartanisch wird's in der Ledererstraße 7 (lebensart) mit Konstantin Grcics Auswahl weißer Stühle, nobler Kultgeräte und Eckhart Nickels Textfragmenten. Kulturfetzen im Schnelldurchgang im Edelkleide. In eine ähnliche, kontrastreiche Kerbe schlägt Grcic zusammen mit Ika Künzel bei Nymphenburg in der Salvatorpassage. Zeitgeistige Sprechblasen ironisieren und beleben die historischen Porzellanfiguren: Der Harlekin outet sich als sensibles Kind, der Galan als selbstgefälliger Kritiker. Hier treffen sich Welten und Zeiten, Witz und Fantasie.</P><P>Zurück auf den Boden der Brauchbarkeit mit der Fachhochschule Rosenheim in der Hypo-Kundenhalle (Maffeihof). Eine hängende Umkleidekabine mit Raffvorhängen, eine Allwetter-Sitzbox für die Fußgängerzone, bewegbare, bunte Gummiwälder statt Kindergartenzäune und zukunftsträchtige Wegweiser zeigen, dass sich der Nachwuchs auf dem Felde der praktischen, formschönen Innovationen absolut behaupten kann.</P><P>Bis 13. Juli. Infos in der Rathausgalerie, Mo.-Sa. 10-21, www.designparcours.net.<BR></P>

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