Bluttat in Unterföhring: Polizistin wird wohl nicht mehr aufwachen

Bluttat in Unterföhring: Polizistin wird wohl nicht mehr aufwachen

Aufgalopp der Prominenz

- Fast schien es so, als sei die Deutsche Oper Berlin für einen Abend zum "Bayreuth des Winters" mutiert. Zwar stand keine Oper Richard Wagners auf dem Programm, wohl aber inszenierte dessen Urenkelin zum Auftakt der Puccini-Festwochen mit dem "Trittico" das, wenn man so will, mediterrane Gegenstück zum "Ring".

Für Katharina Wagner, die 27-jährige Regisseurin und möglicherweise zukünftige Herrin von Bayreuth, war es die Generalprobe für ihr dortiges "Meistersinger"-Debüt im kommenden Jahr. Entsprechend groß das öffentliche Interesse. An der Spitze des Prominenten-Aufgalopps Bundespräsident Horst Köhler, bislang nicht gerade als Opern-Afficionado verschrien. Ein Society-Event fast wie in Mailand zur Saisoneröffnung der Scala oder eben im Sommer in Bayreuth. Das trug die krisengeplagte Deutsche Oper für einen Abend über alle Alltagssorgen hinweg.

Rauchende Madonna

Dabei präsentierte das Haus nicht eben einen Reißer. Puccinis selten gespielter, aus drei grundverschiedenen Einaktern bestehendes Triptychon gilt als harte Kost. Sein Reiz besteht darin, großes Melodram ("Il Tabarro"), sentimentale Moralgeschichte ("Suor Angelica") und Komödie ("Gianni Schicchi") an einem Abend zusammenzuführen. Inhaltlich haben die Opern, die in Paris um etwa 1900, in einem italienischen Kloster Ende des 17. Jahrhunderts und in Florenz um 1300 spielen, kaum etwas gemein. Gerade die Verschiedenheit seiner Teile ist das Sinnstiftende am Triptychon.

Dass Katharina Wagner die Reihenfolge der Opern umstellte und mit der lyrischen "Suor Angelica" begann, daraufhin Komödie spielte, um tragisch enden zu können, war unerheblich. Folgenreicher war ihr Entschluss, den "Trittico" als musiktheatrale Einheit zu sehen. Alle Stücke spielen mehr oder weniger im gleichen Betonbunkerraum.

In "Suor Angelica" blicken wir in den Schlafsaal eines Klosters mit zwölf Betten. Angelicas Mitschwestern essen Chips oder absolvieren ihr abendliches Fitnessprogramm. Und die auf einer Art Kanzel thronende Madonna raucht. In der zentralen Szene, der Konfrontation Angelicas mit Tante Fürstin, binden zwei als Schäferhunde maskierte Leibwächter die unbeherrschte Nonne ans Bett, bevor sie - nach ihrem Freitod - Erlösung findet und erhöht wird als Madonna mit dem Kind. Cristina Gallardo-Domas packte alle Verzweiflung der in sieben Jahren vereinsamten jungen Frau in ihre leidenschaftlichen Ausbrüche und lieferte sich mit Marina Prudenskaja als eiskalter Exekutorin des Familienwillens ein packendes Duell. Stefano Ranzani, der Dirigent des Abends, brachte die Lyrismen des Stücks zum Blühen, hielt sich aber ansonsten auffällig zurück. Das Primat galt der Regie.

Die konnte mit dem rührseligen Nonnenstück erkennbar am wenigsten anfangen. Für die Betrugskomödie "Gianni Schicchi" hatte Katharina Wagner dagegen eine zündende Idee: Schicchi (prachtvoll aufgelegt: Alberto Rinaldi) und der von ihm herbeizitierte Notar machen von Anfang an gemeinsame Sache. Am Ende ziehen die Handwerker in das Haus ein und entsorgen den Nippes des Alten - in Anspielung auf "Suor Angelica" lauter kleine Madonnen. Den vokalen Lorbeerkranz ersingt sich hier Kenneth Traver in der kleinen, aber feinen Tenorrolle des in die Tochter Schicchis verliebten Rinuccio.

Zorniges Buhkonzert

Im "Tabarro", dem düsteren veristischen Knaller, in den Katharina Wagner komödiantische Elemente einflocht, dominiert wieder ein großes Bett die Bühne, das Ehebett von Michele (Paolo Gavanelli, mit posaunenhaften Verzweiflungsausbrüchen) und Giorgetta (Chiara Taigi, mit aufblühendem Sopran). Seit sie vor einem Jahr ihr Kind verloren, haben sie sich einander entfremdet. Immer wieder taucht der tote Sohn auf - als Pein der Vergangenheit, die nicht vergehen will. Auch hier eine bewusste szenische Analogie zur "Suor Angelica".

Katharina Wagners Bemühen, das Verbindende zwischen den Stücken herauszustreichen, registriert man zunächst mit Befremden. Im Laufe des Abends aber lässt man sich gerne auf diese Lesart ein und kommt gar zu dem Schluss, dass die in "Suor Angelica" und "Tabarro" gezeigten Schicksale zweier Frauen so unterschiedlich gar nicht sind.

Am Ende zornige Buhs für das Regieteam, aber auch viel Zuspruch. Für ein Produkt aus dem Hause Wagner kein schlechtes Resultat.

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