Aufgelöst in Liebe

- Ein halber Abend nur. Wegen Krankheit entfiel die andere Hälfte: Daniel Goetschs "Ammen". Immerhin machte inkunst e. V./Halle 7 die Münchner Theatergänger mit Maté´i Visniec bekannt. Der 1987 nach Frankreich geflüchtete, nun längst in seiner Heimat gefeierte Rumäne, verbindet in seiner "Geschichte von den Pandabären - erzählt von einem Saxophonspieler" (1995) gekonnt die verbale Leichtigkeit französischer Salonstücke mit der Rätsel-Schwere der Surrealisten.

<P>Nach Zechgelage auf Doppelmatratze: Er, der junge Saxophonspieler, und Sie, eine ihm fremde Frau. Haben sie oder haben sie nicht? Über boulevardesk plänkelnde Erinnerungsversuche zurück in die blinden Tiefen der Nacht entwickelt sich zwischen den beiden schnell eine Liebe jugendlich traumversponnener, weltflüchtiger Absolutheit. Visniec balanciert subtil aus zwischen stinknormaler erster Liebeseuphorie - die in Selbstschilderungslust hervorgeholten Kindheitsmomente (sein Lieblingstier: der Pandabär), Liebes-Litaneien, das Heim-Dinner mit Kerzen et cetera - und dem Abheben in ein Fantasie-Spiel. Die Regeln diktiert Sie: Neun Nächte nur gibt Sie ihm zum Kennenlernen, schleppt verhangene Käfige an, mit "echten", eben nur nicht sichtbaren Tieren, bringt ihn dazu, hinüber in Nachbars Wohnung hellsehen zu können und sich, ultimatives Liebesziel, vom eigenen Körper zu lösen. Wenn der Kommissar das Türschloss aufbricht, haben sie sich aufgelöst. Auf dem Bett verstreut nur - Äpfel. <BR><BR>In Aylin Kaips diesmal (wegen raum-wandernder Akustik?) drögem Paravent-Arrangement inszenierte Oliver Zimmer, bei gelegentlichem Saxophon aus dem Off, sprachbewusst, aber sonst eher artig vom Blatt. Der mit allzu pointiert theaterhafter Diktion diesen kleinen Raum sprengenden "Liebesführerin" von Christina Huckle stellt Florian Huber wohltuend einen natürlichen Junglover gegenüber. </P><P>Bis 19. Juni, Telefon 089/ 53 29 78 29. </P>

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