Aufgetürmte Gewalt

- Der Name verpflichtet. Wenn Dmitri Schostakowitschs siebte Symphonie, die "Leningrader", auf dem Programm steht, dann fühlen sich die Mitglieder des Kirov-Orchesters besonders herausgefordert, auch wenn ihre Heimat mittlerweile wieder St. Petersburg genannt wird. Unter seinem energiegeladenen Chef Valery Gergiev feierte das Orchester des berühmten Mariinsky-Theaters am Dienstagabend in der Münchner Philharmonie einen Triumph. Einen musikalischen.

<P>Bei der von Gergiev so phänomenal inszenierten musikalischen "Schlacht" geriet die traurige historische Entstehungsgeschichte - die deutsche Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg - gottlob völlig in den Hintergrund. Gergiev türmte das Riesenwerk mit dem fabelhaft musizierenden Orchester vor den staunenden Zuhörern auf. Im Kopfsatz mit dem bedrohlichen Trommelwirbel, dem ostinaten, zwölfmal erscheinenden Thema schwoll die Gewalt an und überrollte in einem mächtigen Crescendo den Saal. </P><P>Korrespondierend dazu entfaltete Gergiev das Finale mit all seinen dicht gefügten Turbulenzen und dem Großeinsatz des imponierenden Blechs schlüssig im Aufbau, gekonnt im rhythmischen Gegeneinander, organisch in den Übergängen. Ihre Extraklasse stellten auch die Holzbläser - nicht nur im Scherzo - unter Beweis; dazu das Schlagzeug und die wie aus einem Guss intensiv und farbsatt musizierenden Streicher. Mit dieser Siebten bescherten Gergiev und sein St. Petersburger Kirov-Orchester dem Münchner Publikum eine Sternstunde.</P><P>Zuvor hatten sie in kleiner Besetzung zusammen mit Vadim Repin Ludwig van Beethovens Violinkonzert gespielt: rhythmisch prägnant im Kopfsatz, fein phrasiert im Larghetto mit den extremen Pianissimo-Pizzicati, über denen Repins Stradivari ihren makellosen Gesang erhob. Sein schlanker, luzider Ton faszinierte auch in den vollgriffigen, virtuosen Kadenzen. Riesenbeifall, am Schluss Ovationen.</P>

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