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"Er ist ein trauriges Kind, melancholisch und altklug": Christiane Karg vor einem "Palestrina"-Plakat, das sie als Ighino zusammen mit Christopher Ventris, dem Sänger der Titelpartie an der Bayerischen Staatsoper, zeigt.

Portrait

Aufgewachsen mit süßen Leckereien

Mit einem Vitamintrunk in der Hand (Gelbe Rübe, Ingwer, Orange) stürmt Christiane Karg (28) in die Garderobe und gibt mal eben - vor der Vorstellung von Hans Pfitzners "Palestrina" an der Bayerischen Staatsoper - ein Interview.

Nichts erinnert an den zerquälten, bleichen Buben Ighino, Palestrinas Sohn, den sie so überzeugend auf die Bühne stellt. Frisch, natürlich und charmant erzählt die Sängerin, wie sie so weit kam.

Christiane Karg stammt aus einer Konditorenfamilie in Feuchtwangen. "Die Kirschwasser- und Champagner-Trüffel meiner Schwester mag ich besonders gern." Da alle aber nicht nur auf süße Leckereien spezialisiert sind, sondern eine Leidenschaft für die Musik haben ("Mein Papa ist ein großer Opern-Fan"), reiste Christiane schon als Elfjährige nach Bayreuth. "Ich sah den ‚Fliegenden Holländer‘ und war begeistert."

Nur zwei Jahre später sang sie bei "Jugend musiziert" - noch ohne Unterricht. Den erhielt sie auf dem Klavier, "mit dem ich nie richtig warm wurde. Aber zum Einstudieren meiner Partien reicht es." Mit 14 Jahren durfte sie als Gastschülerin an die Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl, wo es den ersten Gesangsunterricht gab, und nach dem Abitur klappte sofort der Sprung ans Salzburger Mozarteum. Bis 2006 studierte sie dort bei Heiner Hopfner Gesang und müsste jetzt eigentlich noch ihre Magisterarbeit fürs Lied-Diplom abgeben! "Bis Ende Januar", stöhnt Christiane Karg.

Bevor sie 2007 ans Hamburger Opernstudio geholt wurde, sang Christiane Karg bereits im Mozart-Jahr 2006 bei den Salzburger Festspielen: im Doppelabend "Apollo und Hyazinth" und "Die Schuldigkeit des Ersten Gebots". Seit Beginn dieser Saison gehört die Sopranistin zum Ensemble der Frankfurter Oper. Dort kam auch Mitte Dezember die Anfrage aus München, die Christiane Karg zuerst für einen Scherz hielt. Doch Simone Young, Hamburgs Opernchefin und Dirigentin des hiesigen "Palestrina", meinte es durchaus ernst.

"Ighino, was ist denn das?", war Kargs erste Frage. "Als ich zur Probe kam, konnte ich noch gar nichts. Aber Regisseur Christian Stückl war sehr geduldig. Außerdem weiß ich genau, was ich mir zumuten kann." Es klappte, und Christiane Karg sorgte in der langen Pfitzner-Oper für Minuten voller Spannung. Mit ihrem silbrigen Sopran ließ sie das Publikum aufhorchen und genau hinschauen auf diese anrührende Figur. "Der Ighino ist ein trauriges Kind, melancholisch und altklug. Er zerbricht am Schicksal seines Vaters. Ich könnte mir vorstellen, dass er sogar musikalisch begabter ist als Silla, der Schüler seines Vaters. Denn als dieser sich nach Florenz abgesetzt hat, gelingt es Ighino, den Vater in seiner Schaffenskrise aufzurütteln."

Für die junge Sopranistin ist das München-Gastspiel natürlich eine feine Sache. Und sie freut sich, dass ihr Bernd Loebe, der Intendant der Frankfurter Oper, diese "Abstecher" ermöglicht: An Berlins Komischer Oper mischt sie als Musetta die "Bohème" auf, im Theater an der Wien wird sie demnächst die Ismene in Mozarts "Mitridate" singen. Die "Zauberflöten"-Pamina steht in Frankfurt auf ihrem Plan, und so ganz nebenbei erwähnt Christiane Karg, dass Nikolaus Harnoncourt sie engagiert hat. Im Juni macht er im Wiener Musikvereinssaal zum Haydn-Jahr dessen "Isola disabitata", und die Feuchtwangerin ist dabei.

Mit Temperament und durchaus eigenen Vorstellungen von einer Partie wirft sich die Sängerin in die Arbeit mit Regisseuren - gestählt durch Ausdauer-Schwimmen und Besuche im Fitness-Studio. "Ich mag Diskussionen und scheue auch die Konfrontation nicht", meint Christiane Karg, die sich nicht verheizen lassen will. "Ich will nicht, dass mein Studium länger gedauert hat als meine Karriere." Sagt’s und packt für die lange "Palestrina"-Nacht erst mal ihre Verpflegung aus: Kuchen-Pakete, was sonst.

Gabriele Luster

Weitere Vorstellungen

"Palestrina" am 1. und 2. Februar, Tel. 089/2185-1920.

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