Aufmarsch der Stars und ein Geburtstagsfest

- Die Lage für die Kultur ist ernst, wir klotzen. So wirkt das, was das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Saison 2006/07 bietet. Es ist, das lässt sich schon vor Anbruch der Spielzeit sagen, ein hochkulinarisches Programm. Mit einem respektablen Aufmarsch der Stars. Aber auch mit Konzerten, die sich - anders als bei manch benachbartem Ensemble - nicht mit Mainstream anbiedern.

Dass Anna Netrebko und Rolando Villazón, das unvermeidliche Traumpaar der Oper, eine konzertante "Bohème" singen, die für eine CD mitgeschnitten wird, ist da nur ein Mosaikstein. Denn Lang Lang, chinesischer Wunderpianist, konnte als "Artist in Residence" gewonnen werden. Gleich in fünf Konzerten tritt er auf, unter anderem im Sommer 2007 beim Open Air auf dem Odeonsplatz, das von Mariss Jansons geleitet wird.

Der Chefdirigent ist in München 19 Mal vertreten, auf Tourneen sogar mit 26 Abenden. Was dokumentiert, wie gefragt das Orchester intenational ist. Eingeladen wurde man erstmals als "Orchestra in Residence" von der Carnegie Hall in New York und wieder vom Festspielhaus Luzern. Eine Besonderheit: Im Sommer 2007 steht eine Festival-Tournee an von Baden-Baden über Salzburg, Bregenz bis zum "Stammhaus" Luzern.

Jansons selbst, bedingt durch seine jahrzentelange Auseinandersetzung mit diesem Komponisten, liegt besonders das Mini-Festival für Dmitri Schostakowitsch am Herzen. Der 100. Geburtstag des Komponisten wird vom Orchester im Herbst gefeiert. Mit mehreren Konzerten, mit einer Ausstellung, aber auch mit einem Symposion, zu dem unter anderem Mstislav Rostropowitsch erwartet wird.

Überdies ist Jansons' Einspielung aller Symphonien bald komplett, die CD-Box wird im kommenden Sommer in Salzburg vorgestellt.

Am Pult werden in der nächsten Saison alte Bekannte wie Riccardo Muti, Bernard Haitink, Sir Colin Davis und Franz Welser-Möst stehen. Auch Nikolaus Harnoncourt kehrt für Dvorá´ks "Stabat Mater" zurück. Unter den Solisten finden sich Promis wie Daniel Barenboim und Leif Ove Andsnes (Klavier), Gidon Kremer (Violine) oder Klaus Maria Brandauer (Rezitation bei Griegs "Peer Gynt").

Für das Publikum von morgen (oder doch schon heute?) werden wieder Probenbesuche angeboten. Oder auch Begegnungen mit Künstlern, bei denen die Jugendlichen die Stars mit Fragen löchern dürfen - Gidon Kremer und Lang haben sich dafür bereit erklärt. Neu ist ein Tag der offenen Tür am 4. März in der Residenz, den ein Konzert "mit einem bunten Überraschungsprogramm für die ganze Familie" beschließt. Das Dirigat ist dabei - was sonst - Chefsache.

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