Aufpolierte Identität

- "Genua ist unbeschreiblich schön, prächtig, charakteristisch", lautete einst Richard Wagners Urteil über die ligurische Hafenmetropole. Dennoch kommen die meisten Touristen heute nur nach Genua, um eine Fähre in Richtung Sardinien oder Korsika zu besteigen. Das soll sich ändern: Genua ist zusammen mit Lille Kulturhauptstadt Europas - und hat sich für diesen Event herausgeputzt.

<P>Die prächtigen Palazzi im Zentrum wurden rundum renoviert und strahlen in neuem Glanz. Auch die Innenstadt ist wieder so malerisch wie im Mittelalter, als Genua die große Rivalin Venedigs im Kampf um die Vorherrschaft im Mittelmeer war. Die Stadt hat insgesamt rund 200 Millionen Euro in die Vorbereitungen investiert, weitere 30 Millionen Euro wurden für das Programm veranschlagt. </P><P>Es gibt fast 120 Sonderveranstaltungen und 70 Tagungen, darunter Musik von Klassik bis Pop, Theater, Tanz und Film. "Dies wird eine einmalige Gelegenheit sein, unsere zukünftige Identität neu zu definieren", sagt Genuas Bürgermeister Giuseppe Pericu.<BR><BR>Auch Lille hofft, mit diesem Ehrentitel sein Image aufzufrischen. "Lille will nicht mehr die graue Arbeiter- und Industriestadt sein. Lille hat eine reiche Vergangenheit und kann auf eine blühende flämische Renaissance und starke kulturelle Einflüsse zurückblicken.", erklärte Martine Aubry, die Bürgermeisterin. Die Metropole, die zusammen mit ihren Vororten 1,1 Millionen Einwohner zählt, bietet ebenfalls ein riesiges Programm. Nicht nur Peter Brook, Zingaro und William Forsythe kommen. Allein die Kosten für die Veranstaltungen belaufen sich auf 73 Millionen Euro. <BR><BR>Die Altstadt Lilles mit ihren schmalen und reich verzierten Bürgerhausfassaden aus dem 17. Jahrhundert wurde völlig renoviert. Und die letzten unschönen Narben, die die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts der Stadt zugefügt hat, sind mit der Umwandlung zwölf ehemaliger Fabriken und Industriehallen in Kulturzentren oder so genannte "Maisons-Folies" völlig verschwunden. "Wir hoffen auf vier bis zwölf Millionen Besucher", erklärt Didier Fusillier, der Direktor des Kulturprogramms Lille 2004, und meint überzeugend: "Einmal Kulturstadt, immer Kulturstadt."<BR><BR><BR>Internet: www.genova-2004.it &  www.lille2004.com.<BR></P>

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