Aufpolierter Silberglanz

- Die Rückkehr von Richard Wagners "Lohengrin" in den Spielplan des Nationaltheaters wurde frenetisch gefeiert. In dieser Produktion aus dem Jahre 1999 (Regie: Götz Friedrich) präsentierte die Staatsoper ein weitgehend neues Solistenensemble, wobei Ben Heppner, Melanie Diener, Lioba Braun, René´ Pape und Bo Skovhus ihre Rollen erstmals an diesem Hause sangen.

<P>Der kanadische Startenor Ben Heppner ist derzeit der Held, der Elsa von Brabant aus der Klemme hilft, sie zur Frau erwählt, jedoch mit der Bedingung, nie von ihr weder nach seinem Namen noch nach seiner Herkunft gefragt zu werden. Bis in den dritten Akt pocht er mit wunderbar lyrischem Timbre, emotional und sehr einfühlsam immer wieder auf das Frageverbot. Irgendwie wünscht man ihm, Elsa möge ihre Neugierde bezähmen. Doch Melanie Diener muss sich nun mal ans Stück halten, also steht Elsa am Ende statt mit Gatten mit dem wieder gewonnenen Bruder Gottfried da.<BR><BR>Heppner und Diener fügen sich darstellerisch mit Intensität in die klar strukturierte, mit wunderbaren Lichteffekten ausgestatte Szene. Auffallend jedoch, dass Melanie Diener weit unter ihren Möglichkeiten sang. Merkwürdig und schade: ihre häufig zurückgenommene Stimme, Unebenheiten in den Höhen und eine teils fehlende melodische Schönheit. René Pape gab einen kraftvoll entschiedenen König Heinrich, ebenso agierte Bo Skovhus als Heerufer. </P><P>In vollkommener destruktiver Harmonie zeigten sich Sergej Leiferkus als Telramund (der stimmlich etwas mehr Kontur hätte zeigen können) und Lioba Braun, die mit ihrem farbenreichen Mezzo und mit vitaler spielerischer Ausdruckskraft eine verschlagene, dämonische Ortrud gab. Einziger Wermutstropfen die wenig glücklich Hand von Dirigent Philippe Auguin im Umgang mit dem Orchester, das ihm nicht nur in den Chorszenen aus dem Ruder lief. Ihm hätte man vor allem den Silberglanz von Lohengrins Ritterrüstung gewünscht.</P><P>Weitere Vorstellungen am 3. und 9. Mai um 18 Uhr, am 16. Mai um 16 Uhr und am 20. Mai um 17 Uhr.</P>

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